Unterhaltung: Regio-Nord-Reportage

Zweitnick, 17. April 2018, um 16:17

Ich war ja nicht dabei, aber von einem der unmittelbar beteiligten Protagonisten (wenn das das richtige Fremdwort für „Randerscheinung“ ist...) habe ich einiges vernommen, was ich Euch nicht vorenthalten möchte... Er erzählt folgendes:

Hinfahrt mit Hindernissen. Verwunderlich viel Verkehr in Frankfurt. Gerade noch rechtzeitig das Auto am Privatparkplatz der Sachsenhäuser Prominentenvilla in Frankfurt abgestellt, zügig durch strömenden Regen zur Strassenbahnhaltestelle. Keine StraBa in Sicht. Späte Erkenntnis: ÖPNV in Frankfurt wird bestreikt. Dann versuch mal, nen freies Taxi zu finden. 2 Minuten vor Abfahrt im Zug. Puh. Über meine Mitreisenden kein Wort. Aber meine Willkommenskultur wurde schon arg strapaziert....

Dass mich gleich 10 Leute am Bahnhof in Celle erwarten, wenn ich aus dem Zug aussteige, war ungewohnt, aber angenehm. Mag sein, dass angemessen das richtigere Wort wäre...

Das Quartier bei O. erfüllte alle geringen Anforderungen, die man stellen kann. Es gab jedenfalls genug zu trinken und feste Nahrung war auch vorhanden.

K. hatte die Fahrerei in und um Celle bestens organisiert, und am Freitag abend trafen wir uns im Sportlerheim des großartigen VfR Westercelle.

Zeitgleich lief eine Art „Trauerfeier“ - ein verdientes Vereinsmitglied war in die ewigen Jagdgründe aufgestiegen und hatte verfügt, dass zu seinem Gedenken eine recht ansehnliche Summe versoffen werden möge - die Fussballer gaben sich alle Mühe. Hut ab. (Dass am Ende des Tages doch noch mehr Dokospieler als Fussballer im Clubhaus waren, war abzusehen...)

Wir hatten einen Nebenraum, in dem wir in Ruhe essen, trinken und zocken konnten. Wir müssen neun gewesen sein, denn es gab nen 5er und nen 4er Tisch.

Die Location muss man sich merken. Am Ende des Abends hab ich für 35 Euro ein MEM-Schnitzel und einen sehr soliden Rausch erworben. Hochgradig faire Preise dort.
Aber Vorsicht: solltet ihr dort aufschlagen, schlagt den Schnaps namens 108er jedenfalls aus. Ganz fieser Rachentöter - da half auch kein ganzes Bier zum nachspülen.

Dann per Droschke zurück zu O.. Mein Vereinskamerad Tim, Wusel, der Gastgeber und ich haben noch n bisschen was getrunken und eine nette Viererliste angefangen. Es ging langsam voran - wer O kennt, kann sich vorstellen, warum. Wusel ist übrigens ein feiner Kerl - trinkfest und angenehm. Der gehört auf die eher kurze Liste der göttertauglichen Dokoisten.

Was getrunken wurde, weiss ich nicht mehr: würde sagen: alles!

Irgendwann - es dürfte so kurz nach halb gewesen sein - stand O auf, ging Richtung Bad und ward nicht mehr gesehen.

Da wir nur zu viert waren, war das das Ende der Veranstaltung....

Wenige, ich schätze knapp vier, Stunden später rasselten die Wecker, und es ging (Scheisse, ich hab keine Ahnung mehr, wie wir dahin gefahren sind - Tim, das warst Du, oder?) zum Spiellokal.

Hallo sagen, anmelden, Bierchen.

Die erste Runde war von der Besetzung her noch die angenehmste. Stefan L. und Pierre D. kannte ich immerhin, Robert W. war der Organisator des Turniers. Inhaltlich ist der Mantel des Schweigens auszubreiten. - 18. Ich habe keinen Fehler von mir gesehen.

Zweite Runde: kleines Zwischenhoch nach einem netten Lüstling in Spiel 13: 25+. Am Ende gehe ich mit 2 Nassen nach Hause. Das war aber auch n netter Tisch. Andreas M. und Nicon W. wissen ein Kärtchen zu werfen. Andreas K komplettierte den Tisch. Er hatte wohl eine Wette verloren und musste den ganzen Tag mit einem HSV-Schal rumlaufen.

Dann kam der Tisch des Grauens: ich bekomme sowieso schon immer Angst, wenn ich Spieler (m/w) mit diesen buntbedruckten mitteldeutschen Vereinshemden sehe - Augenkrebsalarm und Schwachspielgarantie. Selbst an 1, weiter Michael, Harry und mein neuer ganz besonderer Freund R. K..

Letzterer hat mich gleich mal angequengelt, weil ich auf seine Frage nicht antworte. Das kommt meist auch nicht so gut, wenn man die aufgespielte Farbe bedienen muss. Dann nimmt er im nächsten Spiel ne Karte in die Hand und lässt sie langsam viermal über der Tischmitte wippen: beim dritten Mal sag ich dann halt: contra. Er war natürlich RE, sagt das auch und meint, in der Bewegung sei doch sicher keine Frage zu vermuten. Er fragt noch drei weitere Male falsch ab, Harry wird auch zum Opfer, zur Krönung sagt er noch ne k9 auf mein Asse RE, hat aber nix. Insgesamt 27 Nasse am Ende - und jeden einzelnen davon verdanke ich diesem Troddel. Schwöhre!

Tisch 4 lief gut. Wenn ich mir den Zettel ansehe, hab ich im letzten freien Spiel noch n Solo gespielt und gewonnen. Kann ich mich aber nicht mehr dran erinnern. 33 Gute jedenfalls ein versöhnlicher Tagesabschluß.

Man versammelte sich kurz, K. wieder als Organisateuse, und wieder wurde das Sportlerheim anvisiert. Diesmal waren es deutlich mehr Leute, die sich dort einfanden. Bei Ankunft lief noch das Sechstliga-Spiel zwischen dem abstiegsbedrohten Gastgeber und dem Zweitplatzierten. Gastgeber O hatte ja nicht am Turnier teilgenommen, also ausgeschlafen, stand schon mit (nicht dem ersten) Rotwein im Plastikbecher am Spielfeldrand und feuerte die Heimmannschaft an (Vereinsschal natürlich inclusive)

Das weitere Programm ähnelte in leicht abgeschwächter Form dem Vorabend. Tim und ich immer wieder so: „heute machen wir halbscharf, war heftig genug gestern.“ Ich hab mit ihm, Pierre und Hermi noch ne Liste gespielt, und zu sehr vernünftiger Zeit, wieder so gegen 34 Euro, fuhren wir per Droschke zu O. Neu dazugekommen war ein weiterer Bielefelder, Thomas R.. Auch ein angenehmer Zeitgenosse, enger Vertrauter von Wusel (und Hoobi) aus alten Zeiten, durchaus trinkfest und absolut kartenbegabt. Es begab sich nun folgendes: Tim und ich so: „jo, wir machen mal auf halbwegs vernünftig, ist ja noch nicht so spät, ne Liste noch und dann ins Bett!“

Es wurden Wetten abgeschlossen, wieviel von der Fünferliste O noch schafft, bevor er abdanken muss, und dann ging die wilde Fahrt los. Ich habe mich tatsächlich zurückgehalten, aber die ein oder andere Flasche Havana ist schon über den Tisch gegangen. O schon im Tran, jeder der ihn kennt, kennt auch sein häufig angestimmtes lautstarkes „Eeeeester EfffZeeehhhh Köllllnn!!!“ oder auch das „Ooohhh Effzeh Kölllllle....“ Auch Wusel hat eine durchaus lautstarke Art, sich mitzuteilen. Und er tut es gerne. Die Fünferliste zog sich. Insbesondere O benötigte länger werdende Denkpausen - überraschenderweise kommt er zustandswidrig doch oft zum richtigen move - das muss der Neid ihm lassen. Thomas hatte von vorneherein gesagt: „Leute, für mich ist um zwei Feierabend“. Gegen halb zwei - immerhin waren schon 15 Spiele absolviert - hatte ich grad gegeben, Wusel links von mir sagt RE, nach Stich 2 denkt O an 2 sitzend mal wieder etwas länger drüber nach (oh, FC Kölle) und sagt dann Keine 90. Tim rechts von mir grinst sich eins, zeigt mir sein Blatt und mittendrin steckt: Die Alte!

Hier war der Zeitpunkt gekommen, das Experiment zu beenden. Jedenfalls für Thomas und mich. Jaja, man wird nicht jünger....

O, Wusel und Tim hatten aber noch was zu besprechen. Zwei, drei Mal noch höre ich ein lautes Wummmm. Das Geräusch kannte ich schon. Es entstand jedesmal, wenn O auf die Zusatzmatratze im Raum kippte....

An Schlaf war nicht zu denken. Oh FC Kölle.... Wusel und O sangen dann noch gemeinsam die Werderhymne, und insbesondere Wusels Diskussionsbeiträge konnte man ganz sich noch in Hannover vernehmen. Fürchterlich lautes Organ, der Mann. Tim versuchte nach Kräften, mitzuhalten.

Fortsetzung folgt....

Zweitnick, 17. April 2018, um 16:29

Fortsetzung:

Der nächste Morgen: Thomas ein ekelhafter Frühaufsteher. Sein Wecker ging 15 Minuten vor meinem. Wusels Bett war auch schon leer. Wie kommt das denn?

Dann vernahm ich, dass mein Schlaf wohl doch nicht soooo schlecht gewesen sein kann. Wusel und Tim sassen immer noch !!!!!!! am Kartentisch. Sie hatten eine Art Offiziersdoko erfunden und zockten das schon seit Stunden. Es ging um viel Geld. Als ich an den Tisch kam, war der Spielstand ausgeglichen 18:18 nach 36 Partien eines Best of 37-Turniers. Wusel gewann das letzte Spiel knapp, und Tim musste erstens viel löhnen (1 €!) und zweitens im weiteren Verlauf des Tages noch den ein oder anderen Spruch einstecken.

Eins war klar: Tee hatten die beiden im Verlaufe der Nacht nicht getrunken. Tim mit erstaunlich klarer Aussprache so zu mir: „Hömma, ich hab nen Plan. Du fährst mein Auto!“
Damit ich nicht nüchtern hinters Steuer musste, hat Wusel mir noch schnell nen Baileys eingeschenkt, und dann erfuhr ich so langsam die Wahrheit über den Verlauf der Nacht. So gegen vier, halb fünf muss es Sturm geklingelt haben. O war noch wach (WUMM!) und lallerte noch so: „Ey, mach bloss nich auf!“
Nach Acht Minuten Dauerklingeln ging Wusel Richtung Küche (da war das Bier!) und rief durch die Wohnungstür: „Ihr könnt aufhören zu klingeln. der Hausherr hat gesagt, wir sollen nicht aufmachen!“
“Dann sagen Sie dem Hausherrn mal, dass er schleunigst aufmachen soll. Sonst machen wir auf! Hier ist die Polizei!“
O kannte den einen Ordnungshüter wohl. Letztlich war dem ein oder anderen Nachbarn die Dauerbeschallung von Wusel und OHFCKÖLLE vermischt mit regelmässigem WUMM wohl doch zuviel geworden. Aber da ich von all dem nichts mitbekommen hatte, kann ich auch nicht sagen, ob es im Fortgang leiser wurde.

O ging dann wohl doch mal im Bett drin.... ok, ging ist vielleicht das falsche Wort....

Bis ich dann Wusel und Tim soweit hatte, dass wir losfahren konnten, verging eine Weile. Kurz an die Tanke - Kippen und Wegbier!

Die Geschichte von dem Schwein in Tims Auto mag er selber erzählen. Die Betrunkenen im Wagen fanden es jedenfalls brüllend komisch.

Zwei Minuten vor Meldeschluss ankommen, anmelden. Bierchen!

Runde 5 ging nett los mit einem feinen Farbsolo in Spiel 3. Siehe whats-app-Göttergruppe. Das wars dann aber auch. Am Ende oben 20 Nasse (zwischendurch in vier Spielen von Null auf -22) und insgesamt noch 1 Guter.

Runde 6 wieder so eine Horrortafel. Kommst an den Tisch - ich bin ja immer höflich und gebe vorher jedem Mitspieler die Hand - und die schon sitzende Dame sagt zu mir und dem dritten Anwesenden: Kann sein, dass ich gleich nach Runde 1 den Schiri rufe, wenn der S. wieder soviel schwätzt.... mit dem streite ich mich immer schon in einem Doppelkopfforum rum, hab den auch gesperrt. Ich les da viel und lerne ne Menge im Forum....
Der S. kam dann leicht verspätet an den Tisch. Was soll ich sagen? Buntes Hemd.....

Erstes Spiel. Ich hab Stanze und Aufschlag. Dulle. Sie legt Karo König dazu und sagt im Verlauf des Stiches noch Re. Ok. Nice. Kriegt sie halt den schwarzen Schub. Dann geht der Aufstand los: Das erfordert Trumpf, werde ich noch während des Spieles belehrt. Und schon sind S. und die Madame in hitziger Debatte. Fürchterlicher Tisch. Von zwischendurch knapp 40 Guten stürze ich auf +9, unter anderem, weil Madame klar gegen mich spielt, Abwürfe zum Gegner macht usw. Kein Kommentar.

Tisch 7: Herbert S. Sitzt rechts von mir und wird mein Albtraum. Viermal! hab ich ne contra-Fackel. Er spielt schwarzes Ass auf, ich frage, keine Antwort. Abstich, Co, das andere schwarze Ass auf den Tisch. Und Viermal! sticht er es raus, spielt HerzAss nach, das läuft natürlich und die Spiele sind um. Immerhin bekomme ich zwei Spiele vor Schluß noch ein 7+2 Solo, hole mir auf das zweite vorgespielte Seitenass das Contra ab und gewinne mit Re und +18. Trotzdem bleiben am Ende 9 Nasse stehen.

Runde 8 läuft genau zeitgleich mit dem Revierderby. Ich bräuchte jetzt schon etwa 50 Gute, um noch ne Quali-Chance zu haben. Erstmals mit K. am Tisch. Sie spielt zwar ohne Abfragen, aber ich finde, ziemlich gepflegtes Doppelkopf. Das harmoniert eigentlich ganz gut - sie hat noch Siegchancen, aber keine Karten. Am Tisch wenig Umsatz insgesamt. Gleich das erste Spiel bekomme ich genau zwei Trümpfe, aber immerhin 5 Asse und zwei 10er, verliere das Abwehrsolo aber mit contra. Gegen eine HZ mit DD bei G. Bindestrich-Doppelname wäre das Normalspiel nicht besser geworden...

Kurz vor Schluss noch der Brechstangenversuch mit einem Herzsolo 9-Trümpfer an 2. Den gewinne ich sogar, aber es reich trotzdem nur zu 11 Punkten am Ende.
Mit insgeamt 2 Nassen fahre ich dann nach Hause. Hermann setzt mich am Bahnhof ab, und zur DEM komme ich dann höchstens als Tourist.

Dreiteiliges Fazit:

1. Ich melde schonmal einen Startplatzwunsch für die nächste Regio an.
2. Danke, Tim! Aus Göttersicht war das sehr freundschaftlich und gesellig. Gerne wieder!
3. Derbysieger! Derbysieger!

Luderhonk, 17. April 2018, um 17:24

Außer Punkt 3) alles schick. Merci!

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