Unterhaltung: Wie geht man denn eigentlich damit um? 🤔

Felurian, 17. Oktober 2020, um 18:55

https://www.sueddeutsche.de/politik/frankreich-terror-anschlag-paris-lehrer-islamismus-1.5077557

Ich persönlich fühle absolut mit diesem Kollegen mit, wenn es So war Wie es war.

worstcase, 17. Oktober 2020, um 20:55

Das ist der Preis, den es fĂĽr die Freiheit zu zahlen gilt. Er ist sehr hoch und nicht gerecht. Ich zolle ihm Respekt fĂĽr seine geleistete Arbeit im Sinne der Freiheit. Leider hat er nichts mehr davon.

uuups, 17. Oktober 2020, um 23:53

Ich meine, wir sollten miteinander reden. Sehr sensibel. Aber ganz dringend und immer wieder.

Cabeza_doble, 18. Oktober 2020, um 08:54

Lehrer leben gefährlich, echt.Es gab ja auch in Deutschland schon Dinge, die in diese Richtung gehen. Ich weise da nur auf die unsäglichen AfD-Portale hin, wo Schüler dazu aufgefordert werden Lehrer zu melden, wenn sie nicht AfD-freundlich genug agieren.Nun hat dieser grässliche Mord natürlich nochmal eine andere Qualität. Ich verneige mich vor diesem mutigen Menschen, der sich nicht zum Schweigen bringen ließ und der dafür mit seinem Leben bezahlt hat,

Bildchenwerfer, 18. Oktober 2020, um 09:01

🤯

Seb1904, 18. Oktober 2020, um 12:59

Um auf die Frage im thread-Titel zu antworten:

Die Antwort hat mehrere Ebenen.

Die eine Ebene ist die menschliche. Wie unfassbar schrecklich muss das für die Angehörigen, die Freunde, die Kollegen und die Schüler dieses Lehrers sein und auch für diejenigen, die diese Greueltat womöglich noch live mit ansehen mussten. Ihnen allen gilt mein Mitgefühl.

Die zweite Ebene zielt auf Werte ab. Besser als worstcase kann ich das auch nicht sagen. Der Mann hat seine Pflicht getan, so, wie sie von seinem Dienstherrn erwartet wurde. Und genau wie ich davon ĂĽberzeugt bin, dass es das Richtige war, was er da gelehrt hat und zu vermitteln suchte, war er es hoffentlich auch selbst.

Die dritte Ebene sind die eigenen Gefühle. Das muss jeder selber wissen. Ich hätte sogar Verständnis für Hass. Wenn ich in mich hineinhorche und drüber nachdenke, ist es eine Mischung aus Angst, Trauer, Hass, Wut, Trotz und Verzweifelung.

Angst davor, dass solche Morde immer häufiger werden, immer näher kommen und irgendwann auch Menschen treffen, die mir sehr nahe stehen. Ja, womöglich auch mich selbst (aber da ich schon früher für „lieber tot als rot“ votiert habe und mich an geleistete Eide heute noch gebunden fühle, steht das hintan).

Trauer um einen Menschen, den ich nicht kannte, der aber fĂĽr eine Sache gestorben ist, die ich fĂĽr wichtig halte: die Freiheit.

Hass - auf all diejenigen, die meinen, für ihren Glauben, für ihren Gott töten zu dürfen, auf alle, die meinen ihre eigenen religiösen Regeln ständen über denen der anderen und über denen der Gesetze des Landes in dem sie leben.

Wut empfinde ich, weil wir dieses Problems nicht Herr werden. Die Menschheit, die Gesellschaft kann noch so entwickelt, so liberal und demokratisch sein, aber ihr wird von Glaubenskriegern, Extremisten und Gestörten immer wieder aufgezeigt, dass ihre Errungenschaften verhöhnt und ausgenutzt werden können.

Trotz! Ich weiß, dass die Freiheit das höchste Gut der Menschheit ist. Es lohnt, für sie aufzustehen. Und ich wünsche mir, dass mehr Menschen aufstehen und denjenigen, die in unserem Land (und Frankreich gehört in diesem Moment dazu. Nous sommes la France) ihre eigenen, unfreien Regeln leben und auch auf Kosten des Lebens anderer durchsetzen wollen, ins Gesicht spucken und ihnen zurufen, dass sie sich verpissen sollen! Ihr könnt glauben, an wen und an was ihr wollt, aber nicht auf Kosten anderer! Und wer das nicht einsehen will, wer seinen Glauben für besser, höher wichtiger hält als den der anderen, der hat in einer freien Gesellschaft keinen Platz!

Verzweifelung: ist es nicht schon viel zu spät für eine breite Reaktion der Guten?

Es folgt die politische Ebene. Und es ist sehr schwer, diese zu betreten und dabei die Emotionen der dritten Ebene zurĂĽckzulassen. Man darf sich in politischen Entscheidungen nur sehr bedingt von GefĂĽhlen leiten lassen.

Die politschen Ursachen für islamistische Attentate sind viel zu tiefgründig, als dass man sie hier in drei Zeilen zusammenfassen könnte. Ich bin der Überzeugung (so absurd das klingen mag), dass freie Gesellschaften ihre Grenzen haben müssen. Ich bin mir gar nicht sicher, dass Liberalität und Demokratie die beste Basis für ein geregeltes Zusammenleben sind - jedenfalls nicht sicher genug, dass ich in die Welt hinausziehen und anderen vorschreiben könnte, ebenfalls nach diesen Regeln zu leben. Vielleicht sind ja die Ordnungen wie in Südkorea, wie in islamistischen Gottesstaaten (oder im Vatikan), wie in strengen Monarchien, wie in Venezuela oder wie in Tibet in Wahrheit nach ihrem eigenen Empfinden viel besser für die Menschen, die dort leben. Ich weiß es nicht - ich will es aber auch gar nicht wissen.

Ich mag das Land hier ganz gerne und auch die Regeln, die wir uns gegeben haben. Ich kann auf Menschen, die für ihren -ismus in den Krieg ziehen und töten wollen, sehr gut verzichten. Ich mag die Freiheit, die wir uns erarbeitet haben, nicht aufgeben. Und ich will nicht, dass meine Söhne nach (wenn man auf die Geschichte Europas schaut) fast erstaunlichen immerhin 75 Jahren ohne Krieg in eine Generation hineinwachsen müssen, die ihre Werte mit Mitteln des Krieges verteidigen muss.

Und ganz am Ende wandern meine Gedanken wieder zu dem Lehrer aus Frankreich!

Ich verneige mich vor ihm! Ruhe in Frieden!

Kvothe, 18. Oktober 2020, um 13:52

Den größten Schaden richtet der -ismus des Kapitals an.
Der Glaube an die Wechselwirkung der Mehrung der Macht durch die Macht des Geldes produziert weltweit marodierende Anhänger.
Der geschilderte Fall ist ein extremer Einzelfall, tragisch und auf ergreifende Weise spricht er Ängste an, ähnlich wie Seb sie schilderte. Ich stimme mit ihm überein, dass Angst in der Regel ein schlechter Ratgeber ist.

Dag, 18. Oktober 2020, um 14:35

Wieviel Morde sind schon im Namen Gottes geschehen, egal in welcher Religion er nun heißt, mit gesundem Menschenverstand ist das nicht zu erklären.
Jede Schrift religiöser Art ist so gut wie die Ausleger
derer.
Ich verabscheue jeden Mord im Namen " Gottes".
Mich macht es wĂĽtend, dass sich Menschen dazu
hinreißen lassen, erklären zu wollen, was richtig ist zu glauben, Mord als Zweck dazu nutzen.
Dieses sinnlose gängeln, mobben, belehren, einfach unerträglich.
Mein MitgefĂĽhl betrifft alle Betroffenen egal welche Religion

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