Doppelkopf-Strategien: Ein Kontra-Blatt, das jeder anders behandelt - vielleicht?

Tront, 13. November 2012, um 02:31

Dieses 8 trümpfige Kontra-Blatt möchte ich euch deshalb vorstellen, weil schon in meinem Verein die unterschiedlichsten Spielbehandlungen vorgeschlagen wurden; das wird hier vermutlich nichts anders sein, davon lebt ja das Doppelkopfspiel. Trotzdem gibt es selbst bei meinen vorgestellten Spielen häufig einen Trend zum vermeintlich besten Zug. Vielleicht gibt es diesmal nur einen! Ha!

Das Kontra-Blatt an Sitzposition 3: (sehr wenig Augen im Blatt)
Pik-DameKaro-DameKreuz-BubeHerz-BubeHerz-BubeKaro-ZehnKaro-NeunKaro-NeunPik-KönigPik-KönigPik-NeunHerz-König
Vor mir liegen Kreuz-AssKreuz-König wie ist zu verfahren?

a) ich steche mit meiner Karo 10 ein und sage nichts an und setze mit Fehl fort
b) ich steche mit meiner Karo 10 ein und sage nichts an und setze mit Trumpf fort
c) ich werfe meinen Herz-König ab als möglichen Tausch, wobei ein Tausch von einem roten Abwurf auf eine schwarze Farbe eher seltener ist als umgekehrt, das dient eher zur Ansageverhinderung
d) ich frage (dreist) auf Kontra ab, um einen möglichen, besseren Spielaufbau zu erlangen
e) ich steche ab und gebe sogar ein (mutiges) eigenes Kontra

Ich denke, ich habe alle möglichen und unmöglichen Spielzüge vorgeschlagen und nun seid ihr am Zug. Gibt es für euch Alternativen oder nur einen gut spielbaren Zug, das ist meine Frage.

Viel Spaß!

EvilNephew, 13. November 2012, um 02:38

Ich kaufe a).

Ex-Füchse #16890, 13. November 2012, um 02:52

d) Weil der Abwurf bei positiver Antwort meine Siegchancen drastisch erhöht.
Da reichen mir dann auch 50% oder sogar etwas weniger.
Re wird zwar dann gegenfragen können, aber ich glaube, dass ich durch meine Abfrage mehr Res verhindere als umgekehrt durch eine Gegenfrage ermöglicht werden.

Ex-Füchse #16890, 13. November 2012, um 03:32

Um für mein Argument etwas Verständnis zu erfahren, habe ich das jetzt einmal an einer stark vereinfachten (um nicht zu sagen: falschen) Modellrechnung ausgerechnet:

Angenommen die Kontrapartei gewinnt ein Spiel in 20% aller Fälle.
Dann erhält sie im Mittel: 0,2*2+0,8*(-1)=-0,4 Punkte.
Wie hoch muss nun die Siegchance nach Abwurf sein, damit die Abfrage lohnt?
Ansatz: y4+(1-y)(-3)=-0,4
Ausrechnen: y=0,37.

D.h es genügt, wenn man nach erfolgreicher Abfrage und dem anschließend erfolgten Abwurf zu 37% gewinnt.

Natürlich kommen jetzt wieder die berechtigten Gegenargumente
-Blindabwurf
-Gegenfrage
-Modellrechnung zu sehr vereinfacht
usw., usf....

Dennoch hoffe ich, dass einige Spieler meine Spielweise nun zumindest anteilhaft nachvollziehen können.
(Etwas ähnliches beschreibt auch Tab1. S5, ES).

Tront, 13. November 2012, um 04:08

Ich kann sie sogar völlig nachvollziehen, weil ich ebenfalls für knappe, stille Anfragen bekannt bin; habe aber in diesem Fall schablonenartig abgestochen und Pik-König angespielt. Das Spiel blieb ohne Ansage, mein Partner sitzt an Position 4 mit einen Pik-Doppel-As und sagte auch nichts an, das zeigt doch schon wieder, auch wenn wir in der Unterzahl sein sollten, dass eine Abfrage wiederum Sinn machen würde. Mein Partner an Position 4 hätte mit seiner kurzen Dulle geantwortet, nachdem ich den abgefragten Spieler abgestochen hätte und dann hätte ich auch gut Trumpf anspielen können. So sagte mein Partner nichts, weil er noch nicht einmal sicher davon ausging, dass ich ein Kontra-Mann war.

Zu einen erhöht es die von dir schon angesprochene Siegeswahrscheinlichkeit und zusätzlich kann man 2 Punkte mehr einheimsen, wenn ein anderer Partner Zusatzwerte mitbringt. Und man kann die Re-Partei einschüchtern. Lauter kleine Vorteile. Und die Gefahr einer überdrehten Absage sehe ich auch nicht, denn falls mein Partner Kontra und keine 90 allein geben sollte, würde er selbst schon abgefragt haben. Also alle möglichen negativen Fälle sind nun abgedeckt.

Wieder 2 mögliche Punkte verschenkt, die du und Ritschi (R.Liedtke) aus unserem Verein möglicherweise schon mal zusätzlich bekommen hätten durch eine knappe Abfrage.

Nur werden wieder andere DOKO-Größen z. B. wie Terry oder Dirk bestimmt sagen, mit so einem "Müllblatt" darf man nicht abfragen. Deshalb freue ich mich ja immer wieder über Spieler wie dich, die grundsätzlich den Mut einer Abfrage in "unklarer" Situation aufbringen und dies auch entsprechend begründen.

Ich stehe selbst so ein bißchen dazwischen. Nicht ganz konsequent, aber mal frage ich ab, mal lasse ich es sein. Meine vorgestellen und auch durchgeführten Spiele lassen ja auch häufig einen gewissen Spielraum zu. Zumindest bin ich da ja nicht allein mit meiner Meinung.

Friedrich, 13. November 2012, um 04:33

Falls Meinungen aus der Nachwuchsabteilung von Interesse sind - ebenfalls d) - nicht aufgrund des Threadverlaufs, sondern nach dem Eingangsbeitrag.
Ist der Anspieler wirklich mein Partner, zerstört mein Abstich wohl jede Siegchance - die Vermeidung dieses Szenarios sind mir die zwei Ansagepunkte im Falle einer Niederlage wert. Eine Gegenansage wird nun wohl eh nur in den allerwenigsten Fällen erfolgen.

Lottospieler, 13. November 2012, um 07:27

auch d)
weil im Falle einer positiven Antwort 2 Farben kontrolliert werden, ich keinesfalls meine Trumpflänge kürzen möchte, der Abwurf öfter den einzigen Weg zum Sieg darstellt wie Friedrich richtig schreibt, auch eine re Ansage wird öfter unterbleiben, alles korrekt.
Durch die Abfrage steigen die Möglichkeiten für die Kontra Partei auch mit einem Dullenpartner an Pos3 und 4 stark.
Das Szenario das der Anspieler ein sehr schwacher Kontra Mann ist ohne weiteres Anspielas und ohne weitere Stärken muß ja nicht eintreffen, dann wären die Siegchancen sehr gering.

akaSilberfux, 13. November 2012, um 22:37

Wenn ich die Modellrechnung aufgreife und mit meinen Gewinn/Verlust-Verhältnis aus 9286 Spielen unterlege, komme ich auf eine durchschnittliche Gewinnquote der Kontra-Partei von 37% und damit auf eine notwendige Siegchance durch die Anfrage von 44%. Das ist schon ganz schön viel.

Zwei zentrale Einwendungen über die bereits hinreichend diskutierten möchte ich hinzusetzen:
1. Der Aufspieler hat nicht vor Aufspiel angefragt. Damit ist er in seiner Stärke beschränkt. Falls der Aufspieler unser Partner ist, wird uns auch der Abwurfvorteil oft genug nicht ins Ziel bringen.
2. Durch die Anfrage erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit einer Ansage im Spiel (sei es Re oder Kontra), was wir als Mitglied der Kontrapartei grundsätzlich vermeiden sollten.

Die beschriebene Karte ist ohne Initiative und ohne Aussicht auf viele Punkte. Mein Favorit ist daher c)

acteva, 13. November 2012, um 23:17

Bei Zugabe des Herz Kö sitz ich als Ko an 4 mit Kr 10 und 9
Was sollte ich dann legen?

Noddy, 14. November 2012, um 00:02

Die 10, der Abwurf hatte Re- Tendenz.

Tront, 14. November 2012, um 01:48

Die Re-Tendenz sehe ich nicht wirklich. Ein Re-Mann, der einen Herz auf eine schwarze Farbe abwirft, sehe ich in der Praxis sehr, sehr selten. Und dabei spiele ich schon relativ viel.

Ich lege mit Actevas Karte als Kontra-Mann die Kreuz 9 in den Stich hinein. Für mich ist der abwerfende Spieler deutlich eher ein Kontra-Spieler, der es sich eben dieses Spiel nicht leisten konnte, still abzufragen.

Ex-Füchse #365, 14. November 2012, um 10:07

d)
und bei Antwort Abwurf von Herz-König

irki, 14. November 2012, um 11:47

Ich spiele auch a

es spricht allerdings auch einiges für d.

Vor längerer Zeit habe ich öfter mal die Dodge-Spiele bei Od etwas intensiver auf die Abfragen untersucht.
Es war schon interessant, dass sich Abfragen in nur ganz ganz wenigen Fällen negativ ausgewirkt haben.
Oftmals haben gerade solch hochriskante Abfragen verhindert, dass die Re-Partei das Blatt ausreizt. Es gab auch chancenlose Abfragen die zu Re-Kontra Spielen wurden, bei denen der Abwurfvorteil ne Ansagestufe gebracht hat + ne Absage weniger bei Re und am Ende stand Kontra sogar noch gut da.

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