Unterhaltung: Volkstrauertag

Seb1904, 18. November 2012, um 16:55

Fast scheint es ein wenig unterzugehen, aber heute ist ein bundesweiter Feiertag.
Zwei Sonntage vor dem ersten Advent ist in Deutschland Volkstrauertag.
Wir gedenken der Gefallenen zweier Weltkriege und der Opfer des Nationalsozialismus.

Jeder wird seine eigenen Gedanken dazu entwickeln. Für die Jüngeren, Zwanzig- bis Dreissigjährigen hier ist die Kriegszeit noch eine ganze Generation weiter zurückliegend als für mich.

Ich fand das früher immer sehr bedrückend, wenn an diesem Tag besonders an diejenigen beiden Familienmitglieder erinnert wurde, die im Krieg gefallen waren. Und an die alte - schlesische - Heimat, die so endgültig verlassen werden musste. Damals, als Knirps oder Teenie, konnte ich wenig mit den Geschichten von damals anfangen. Heute glaube ich, daß wir eine Verantwortung haben für eine friedliche Zukunft unseres Volkes und unseres Landes und ihr unter anderem dadurch gerecht werden, daß wir unsere Toten ehren.

kontra67, 18. November 2012, um 17:11

Du hast vollkommen recht, Seb, früher konnten wir das Verständnis nicht dafür aufbringen, was alles schreckliches geschehen war. Was unsere Eltern bzw. Großeltern erlebt haben und vor allen Dingen wieder aufgebaut haben. Jetzt sehe ich vieles klarer und gedenke gern!!!

Ex-Füchse #365, 18. November 2012, um 17:56
zuletzt bearbeitet am 18. November 2012, um 17:57

Gedenken? JA!
Ehren?...Hm, ich weiß nicht.
Wenn ich mir das Soldatenbild vom Bruder meines Vaters ansehe, der so stolz, freundlich und ahnungslos in die Kamera lächelt, werde ich jedes Mal unendlich traurig, denn dieser Onkel musste mit gerade einmal 21 für einen Verbrecher in den Krieg ziehen und mit 23 für eben diesen Verbrecher sein Leben lassen.
Sein Tod war so entsetzlich überflüssig, ebenso überflüssig wie der Tod von -zig Millionen anderer Menschen.
Ihn betrauern? Ja, das tue ich, auch, wenn ich diesen Onkel nicht kennen gelernt habe. Er wollte glücklich sein, heiraten, Kinder bekommen, ein ganz normales Leben leben. Doch diese Möglichkeit wurde ihn durch diesen entsetzlichen Krieg verwehrt.
Er war ein völlig gesunder junger Mann und hätte 80, 85 oder 90 Jahre alt werden können. hätte man ihn nicht viel zu früh seines Lebens beraubt.
So ein sinnlos weggeworfenes Leben, darüber könnte ich weinen.
Aber ihn ehren? Wofür? Dass er missbraucht wurde?
Am besten wird man den vielen Kriegsopfern in der Welt wohl gerecht, indem man versucht, den Frieden zu bewahren und sein Möglichstes dafür zu tun, dass solch grauenhafte Ereignisse nie wieder geschehen können.
In diesem Zusammenhang muss ich an den Nahen Osten denken, wo es zur Zeit leider alles andere als friedlich zugeht.
Dieser Konflikt hinterlässt in mir eine große Ratlosigkeit.

Ex-Füchse #2525, 18. November 2012, um 22:37

Ehre gebührt aber den Hinterbliebenen. Alles verloren - doch alles gegeben um ein Land in Schutt und Asche wieder aufzubauen. Auch Dank Ihnen, konnte meine Generation in einem wirtschaftlich starken Land in Ruhe und Frieden aufwachsen.

Seb1904, 19. November 2012, um 08:45

Erstens, verehrte Queen, finde ich das ein bisschen wortgeklaubert - ehren, betrauern... mir ist das in diesem Zusammenhang zuviel Semantik.

Zweitens machst Du zwei typische Fehler: a) Du reduzierst von zwei auf einen Weltkrieg - und im ersten sind die Soldaten nicht für einen Verbrecher ins Verderben gerannt, sondern für ihr Land und für das, was sie für ihre Pflicht hielten. Meine Großväter haben beispielsweise in beiden Kriegen Uniform getragen: im ersten als blutjunge Spunde, noch grün hinter den Ohren und im zweiten als gestandene Männer, die in ihrem jeweiligen Kompetenzbereich - der eine in der Technik, der andere in der Medizin - Verantwortung tragen mussten.
Und b) heute wissen wir, daß es ein Verbrecher war, dem die Soldaten des WK II damals ihren Eid zu schwören hatten, heute wissen wir um die Greueltaten, die die Nationalsozialisten im Namen des deutschen Volkes verübten, heute wissen wir um die Sinnlosigkeit dieser Kriege und um die verpassten Möglichkeiten, sie gar nicht erst zu beginnen. Die Menschen damals, die allermeisten jedenfalls, wussten all das nicht - und es steht uns nicht zu, ihr Handeln oder Unterlassen mit unserem heutigen Wissen moralisch zu bewerten.
Die allermeisten von uns hätten genau wie die jungen Männer und Frauen damals den rechten Arm in die Luft gestreckt und voller Überzeugung "Heil Hitler!" gebrüllt, wir wären freiwillig in die HJ oder den BDM, die Wehrmacht, SA oder gar SS eingetreten und hätten, von bestens organisierten Massenveranstaltungen beeindruckt, die Lieder der Bewegung gesungen, auch Du. Wir hätten statt im Internet in Kasernen oder Schützengräben Doppelkopf gespielt und statt Marlboro Overstolz geraucht. Es gab zumindest zu Kriegsbeginn 1939 nur sehr wenige, die das von vorneherein ablehnten. Tun wir nicht so, als wären wir alle bei diesen wenigen Wissenden gewesen.

..... und dann hast Du natürlich auf der anderen Seite völlig recht: das ganze Gedenken bleibt sinnlos, wenn es rein rückwärts gerichtet ist. Wir müssen aus dem Geschehenen lernen und dafür Sorge tragen, dass Frieden und Freiheit sich durchsetzen und nicht Krieg und Unterdrückung.
Krieg ist Scheisse, ob in Stalingrad oder am Hindukusch. Das bedeutet nun allerdings nicht, dass alle Soldaten Arschlöcher wären. Sie tun ihre Pflicht, sie riskieren ihr Leben im Glauben, dies für eine "gute Sache" zu tun. Gestehen wir diese Haltung auch den Soldaten von damals zu!

Die, derer wir gestern gedachten, haben unser ehrendes Andenken verdient!

boomer01, 19. November 2012, um 08:51

schade, dass es die wehrmachtsausstellung nicht mehr gibt...

cajou, 19. November 2012, um 09:04

Friede ist nicht selbstverständlich und überdies unverdienbar. Der Tod der Gefallenen, Verstorbenen, Ermordeten von damals wird und kann keine nachträgliche Rechtfertigung erfahren. Doch er sollte uns beständig daran erinnern, dass Krieg nicht erst mit Taten, sondern schon mit Worten beginnt.

Ex-Füchse #365, 19. November 2012, um 09:35
zuletzt bearbeitet am 19. November 2012, um 09:37

Seb, ich habe gar nichts moralisch bewertet.
Zeig mir bitte die Stelle, wo ich das getan hab!
Und ich habe die Soldaten nirgendwo als Arschlöcher bezeichnet, wie käme ich auch dazu?
Ob wir Nachgeborenen uns, wären wir in der Lage der damaligen Menschen gewesen, anders verhalten hätten als diese, glaube ich ebenso wenig wie Du.
Aber es war ein sinnloser Tod, den die jungen Menschen gestorben sind. Sie wurden MISSBRAUCHT! Sie dafür mit irgendwelchem Flaggengedöns zu ehren, geht mir vollkommen gegen den Strich. Ihren viel zu frühen Tod zu betrauern und alles dafür zu tun, das solch unsinnige und grausame Gemetzel nie wieder vorkommen, ist hingegen unsere Aufgabe und wird den Gefallenen wohl weit eher gerecht.
BTW: Auch der erste Weltkrieg war für die Deutschen nicht wirklich ein Verteidigungskrieg. Auch hier ging es vor allem um die Interessen der damals regierenden Könige und Kaiser. Und von daher - vielleicht ist für WK I die Bezeichnung "verbrecherischer Krieg" tatsächlich zu hoch gegriffen, aber ein UNSINNIGER Krieg war auch dieser.

Motris, 19. November 2012, um 09:38

Krieg ist IMMER unsinnig!

boomer01, 19. November 2012, um 09:38

och, ich haette mich schon schon den edelweisspiraten angeschlossen, denke ich mal...

Seb1904, 19. November 2012, um 09:44

Sie nicht ehren zu wollen, ihnen quasi die Ehre abzusprechen, hat durchaus eine moralische Komponente, finde ich. (Und ich weiss, dass auch das wieder reine Wortklauberei ist - ist ja schon gut.) Dass die das "Flaggengedöns" auf den Knaspel geht, kann ich nachvollziehen. Über die form kann man gerne streiten.

BTW: ich widerum habe auch nicht geschrieben, dass der WK I ein deutscher Verteidigungskrieg gewesen sei.
"Zeig mir bitte die Stelle, wo ich das getan hab!"

Den letztlich "sinnvollen" Krieg hat mir auch noch keiner zeigen können. Schon die punischen Kriege dienten nichts anderem als Macht- und Wirtschaftsinteressen, auch wenn sie heute noch als Beispiele grosser taktischer Militärführung herhalten dürfen.

Motris, 19. November 2012, um 09:47

Es kann dir keiner einen sinnvollen Krieg zeigen, weil es keinen sinnvollen Krieg gibt.

Seb1904, 19. November 2012, um 09:49

Darin dürfte weitgehend Einigkeit bestehen.

Ex-Füchse #2525, 19. November 2012, um 10:15

Seb - nimm doch einfach mal an, dass Eva nicht gegen Dich, sondern gegen eine unsinnige Sache schreibt.

Ich selber halte den Volkstrauertag für wichtig. Solche Tage rufen automatisch die Erinnerung an die Vergangenheit hervor, die uns heutzutage als Warnung und Bewusstseins-Findungs-Hilfe dienen können - vorrausgesetzt man will sich überhaupt damit auseinandersetzen...

cahei, 19. November 2012, um 10:26

Für mich ist das erinnenr an diese Vergangenheit auch wichtig.

ich komme am Sonntag aus der Kirche und direkt daneben ist auch das Denkmal für die Gefallenen der Kriege. Es waren die "Honoratioren" aus Politik und Gemeinde anwesend, der Posaunenchor war da, neben dem Denkmal standen 2 Soldaten in schnieker Uniform und Helm. Was mich irritiert hat, war aber die Abordnung des Schützenvereins mit Fahne und in Uniform. Ist das so üblich?

Ex-Füchse #15119, 19. November 2012, um 10:44

Tage an denen mir vorgeschrieben wird, wie ich mich fühlen muss, gefallen mir nicht.
Ich gehöre zu der von Seb oben erwähnten Generation, zwischen 20 und 30, die den Krieg nur noch durch ihre Großeltern direkt kommuniziert bekamen.
Bei mir in der Familie ist dies ein wichtiges Thema und auch immer präsent. Besonders mein Großvater kennt kaum ein anderes, er ist inzwischen aber auch seit ich mich erinnern kann im Friedensdienst tätig, was seine Art ist, seine Jugend in der HJ und später der SS zu bewältigen.
Prinzipiell finde ich es bedenkenswert warum es Trauertage geben muss.
Ich persönlich besuche auch keine Gräber, meiner Freunde und Familie an deren Todestagen.
Man an sollte keinen Menschen durch seinen Tod gedenken, dass würde nur sein Leben abwerten... nur meine Meinung!

Unsere Geschichte, die zwei Weltkriege, beeinflussen mein Leben jeden Tag, da sie Teil meiner Charakterbildung waren und mich als Mensch beeinflusst haben.

Ex-Füchse #2525, 19. November 2012, um 10:52

D-Light. Sei froh, dass in Deiner Familie die Geschichte Deutschlands ein Thema war / ist.

Ich glaube aber nicht, dass die heutzutage im allgemeinen so üblich ist. Daher finde ich einen Tag, der zumindest an die Vergangenheit erinnert für durchaus angebracht.

Ex-Füchse #15119, 19. November 2012, um 10:58

Glaubst du, jemand one Bezug zur Geschichte, bekommt ihn durch Trauertage?
Feiertage, wie das Ende, des NS, mit Gedenken an die gefallenen, soll man viel mehr zelebrieren!
Wenn man etwas feiert, weckt es doch mehr Interesse, als wenn man etwas betrauern soll, was man gar nicht versteht....

Motris, 19. November 2012, um 10:59

Aber vielleicht verstehen manche Vollpfosten durch solche festgelegten Tage.

Stoni, 01. Februar 2013, um 16:05

Das Ende der Schlacht um Stalingrad jährt sich zum 70. Mal. "Ich bewundere sehr, wie Russen ihre Kriegsveteranen ehren. Wenn sie ihnen Blumen schenken und sie am Tag des Sieges umarmen und küssen, dann tun sie dies aus der Überzeugung, dass ihr Land ohne diesen Sieg heute so nicht existieren würde." Auch wenn Hunderttausend deutsche Soldaten anonym unter den Strassen von Wolgograd begraben liegen, fast 3.000km von ihrer Heimat entfernt, freue ich mich mit, denn auch unser Land würde heute nicht dasselbe sein. Daran denke ich, wenn ich dieser Tage über diese Strassen gehe.

Ex-Füchse #47523, 01. Februar 2013, um 16:28

Wolgograd heißt einige Tage wieder Stalingrad!
Habe ich heute gelesen.

Ex-Füchse #197, 01. Februar 2013, um 22:31
zuletzt bearbeitet am 01. Februar 2013, um 22:32

Dafür begehen wir einen Gedenktag,um an die scheusslichen NS Verbrechen zuerinnern.Letzten Sonntag war das,alle Fahnen wurden gehisst und mit einem schwarzen Trauerfloor versehen :-)

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