Doppelkopf-Strategien: Vermisst: ein Punkt

Seltsam, 09. Februar 2011, um 02:04
zuletzt bearbeitet am 09. Februar 2011, um 02:06

Ein interessantes Spiel; also wage ich mal eine große Besprechung, auch auf die Gefahr hin, widerlegt zu werden.
http://www.fuchstreff.de/spiele/1341064
Aufspiel Karo König, umgehendes Re von Position 4, Absage bis Re-k60 von Position 4.
Ausgang: Re 180, Kontra 60
Wo hat Re den einen Punkt verloren?

Mir geht es nicht so sehr darum, ob die k60 gerechtfertigt sind. Da kann man auch gesondert trefflich drüber debattieren. Wir kennen das ja alle - das Risiko kann ein gewaltiger Motivator sein, Fehleinschätzungen sind da nie ganz ausgeschlossen. ^^
Interssanter finde ich den Spielverlauf und möchte mich darauf konzentieren.

Zum Spielverlauf:
1.
Stich Nr. 4
Ich war Zuschauer und wunderte mich, warum direkt auf die Absage k60 eine Karo 9 vom Absagenden angespielt wird.
Für mich ist das der erste kleine Fehler. Stich 4 wurde für meinen Geschmack zu passiv eröffnet.
Die Karo 9 sollte unbedingt für den Gegner bestimmt sein. Also sollte er sie besser nicht seinem P vorspielen, wenn er grad die 60 gesagt hat. Effektiver wäre, sie günstig zu entsorgen.

2.
Zur Karo 9 und ihrer Bedeutung, wie ich sie verstehe:
Wenn die Karo9 schon gespielt wird, sollte sie vom Partner als Signal verstanden werden, diesen Stich nicht voll anzugehen, sondern mit einem mittleren Trumpf zu übernehmen, um hinten eine Dame abzuziehen. Sonst ist die Alte ebenfalls verpufft. Sie erzielt vielleicht ordentlich Augen, aber sie konnte keine Stärken des Gegners eliminieren.
Geht der Partner auf die Karo9 ein und zieht seine KaroDame, eröffnet er dem Gegner die Chance, mit Pik ihre Stärken zu versuchen. Er darf also die Karo9 nur spielen, wenn er Pik frei ist. Darauf muss sich der Partner dann auch verlassen können. Also ist für mich die Karo9 die schwächste Karte, um das Spiel im 4. Stich fortzuführen. Entscheidet man sich bei so einem Blatt für eine k60 Absage, kommt es auf jeden einzelnen Punkt an. Passives Spiel ist da oft eine böse Eigenfalle. Schon ein Bube statt der 9 hätte hier gereicht, um zwei Augen mehr zu erzielen.

3.
Eigentlich muss er ausloten, wo die zweite Blaue sitzt. Also abfragen auf zweite Blaue, bevor er 60 sagt. Oder, falls ohne Abfragen gespielt wird eigene Blaue zeigen, Bube hinterher. Damit übt er viel Druck auf den Gegner aus, erhält Informationen über die Verteilung und kann sein Spiel besser auf den Gegner ausrichten.

4.
Stich Nr 7:
Etwas größerer Fehler und entscheidend: Kreuz König im 7. Stich. Es ist nicht schlimm, dass Kontra Kreuz kassieren kann, sondern, dass der starke Remann zur erneuten Übernahme des Spiels einen Trumpf opfern muss. Damit fehlt ihm genau der Trumpf, der die letzte Blaue eliminieren kann und den Sieg garantieren würde. Also erst Trumpf rund machen, dann die einzigen beiden Stiche in Fehl abgeben und hoffen, dass die 60 nicht voll werden. Nicht umsonst gibt es die alte Fausregel: ab k60 kein Fehl mehr. Er hoffte wahrscheilich, sein P ist Kreuz frei ist, weil er schon mit 9 bediente. Da aber keine weitere 9 fiel, sollte man sich nicht darauf verlassen.

Habe ich was übersehen, oder falsch interpretiert?

foxxy, 09. Februar 2011, um 04:59
zuletzt bearbeitet am 09. Februar 2011, um 05:02

Zunächst mal hätte das Re vorab kommen müssen, dann hätte kls gleich seinen Fuchs gelegt bzw. es wäre genug Zeit für Informationsübermittlung gewesen.

Nach 3 Absagen aus eigener Kraft hätte ich auf die 9 aber auch mit Kreuzdame reagiert, da eigentlich Mixa noch nicht weiß, dass er mit kls spielt und ausserdem scheint dass ja der eine Abgeber des starken Partners zu sein.
Da gilt es zu vermeiden, dass Kontra die Karodame übernimmt und Mixa womöglich auf das folgende Pikas abwirft statt zu stechen. Andererseits, wenn es glücklich verläuft, übernimmt ein Kontramann und der zweite gibt eine 9 dazu, das hätte einen wenn auch unwahrscheinlichen Sieg bedeutet.

Mit der 9 wird zumindest klar, dass er keine weiteren Karos zu vergeben hat. Die 9 fällt ja nur deshalb, weil Mixa darauf spekuliert. dass sein Partner evt. noch ein As hat(?) bzw. er den 2ten Piklauf günstig stechen kann oder sonst irgendeine Stärke. Allerdings, wer selbständig drei Absagen tätigt, sollte dann nicht von seinem Partner abhängen.

Die Frage ist auch, ob nicht Karodame statt Fuchs die geeignetere Folgekarte ist, um zu zeigen, dass man die Herzdame auch nicht hat bzw. sie zu ziehen (Blaue kann nicht sein, die wäre ja statt der Alten gefallen). Da der starke Partner offensichtlich DD hat, sind die Füchse auch dann noch sicher. Aber weil Mixa ja seinen Stiefel durchzieht, ist für kls wichtig, ihm die eigenen Lücken schnell zu beschreiben.

Immerhin erkennt Mixa an der Pik 9 die Gefahr und sichert den 2ten Pik, aber da ist es schon zu spät.

So, ist schon spät, morgen schau ich nochmal.

Spitzenanalyse ansonsten.

solembum, 09. Februar 2011, um 07:14

bei ner alleinigen k6 Ansage des Partners macht man keine Experimente. Da muss man auch auf die 9 mit Re-Dame ran. Da gibt es nichts zu überlegen.
Die Karo Dame nach (wie von Foxxy beschrieben) halte ich auch für die bessere Karte als den Fux, wirkt sich aber nicht aus.
Der Entscheidende Fehler ist aber das Trumpfspiel nicht durchzuziehen.

Die K6 Absage ist überzogen, die würde ich bei 2 Fehlabgebern nicht sagen.

Gruß Jürgen

Stoni, 09. Februar 2011, um 08:46

Ja gute Analyse und ergiebig, sich sowas genauer anzuschauen.
Wenn die k60 nach dem Fallen der Re-Dame gesagt wurden, kann ich sie sogar verstehen. Erfolgen sie vorher, sind sie hanebüchener Unsinn, weil bei ko-Aufspiel Tr-Abgeber eingeplant werden müssen.
Nach der Re-Dame weiß Mixa, daß das Tr-Aufspiel vom Partner kam, und darf von Länge bei ihm und damit von vollständiger Tr-Macht ausgehen. Allerdings ist das Tr-Aufspiel, zumal mit Doppel-Fuchs hier ein grober Fehler und der Anfang vom Ende. Tr-Aufspiel darf auch von Re nur mit Länge und Stärke erfolgen, die ist aber nicht gegeben. Hls trägt eine grosse Mitverantwortung.

Wie solembum ausgeführt hat sind die k60 aber per se schon zu viel. Mixa hat ja nur Glück, daß Hermann als ko nur die Pik9 hat. Mit 2 Königen sind je 25 Augen Minimum, braucht sein Re-Partner nur einmal eine Volle dazugeben müssen, sind die k60 schon allein in Fehl um (Wahrscheinlichkeit ungefähr 30%).

Obwohl er in Fehl Glück hat, gehen die k60 deshalb schief, weil er eine strukturelle Denkschwäche hat und Kr-König spielt. Deshalb braucht er die Dulle zum Wiedereinstieg und verliert den entscheidenden Zieh-Tr. Bleibt er bei Tr, gewinnt er seine falsch abgesagten k60 mit viel Dusel doch noch.

bunti, 09. Februar 2011, um 09:45

"strukturelle denkschwäche" ist klasse :-)

Seltsam, 09. Februar 2011, um 09:59

@ Stoni: Die k60 fällt direkt nach Durchgang des HerzAs.

Ein Punkt gefällt mir heute früh nicht mehr an meiner Besprechung: mir hätte auffallen müssen, dass es nicht 100% klar ist, wo der zweite ReMann sitzt. Als Zuschauer, der die eher zögerlich gelegten Karten der mittig sitzenden Spieler sah, ging für mich alles in Richtung kls als Re-Partner, was ja auch bestätigt wurde. In der Nachschau habe ich dann nicht mehr drüber nachgedacht und bin auch nicht mehr drüber gestolpert.
Da hat Jürgen natürlich Recht, eine andere Karte als die Alte auf die 9 geht deshalb nicht.
Anders sehe ich es, wenn die Sitzpositionen geklärt wären. Da halte ich eine Karo9 durchaus noch für eine mögliche Steuerungskarte. Zumindest würde ich an 2 sitzend kurz nachdenken, warum da eine 9 kommt, die ich heim holen sollte, wenn ich kein eigenes Aufspielas habe. In vielen Spielen ist selbst eine Karo 9 in ihrem Einsatz nicht zu unterschätzen.

Das Aufspiel von kls habe ich nicht berücksichtigt, weil es mir hauptsächlich um den Verlauf aus Sicht von Mixa ging. Er hatte es ob der glücklichen Verteilung selbst in der Hand, das Spiel pro Re zu entscheiden.

Stoni, 09. Februar 2011, um 12:52

Ohne zu wissen, daß der Tr-Aufspieler Re ist, sind die k60 imho noch leichtsinniger, zumal auch Kr9 und HerzKönig von Pos1 nix sagen.
Denn zusätzlich zu der Gefahr, durch die beiden Fehlabgeber allein schon 60 zu verlieren, kommt jetzt noch die, nur 5 Tr-Spitzen zu haben und gegen Pik-Dame zu siebt (=durchaus wahrscheinlich) zu verlieren.

Das hätte hier vermieden werden können, weil durch zweimaliges Tr-Ziehen von 1 nach 4 Mixa zusätzlich 2 kleine Trumpf machen kann, Re also 7mal "ziehen" kann.
Durch das freiwillige Abgehen vom Zug, verliert Re allerdings durchs hohe Wiedereinstechen einen Zugtrumpf und damit das Spiel.
Dasselbe passiert, wenn die Karo9 nicht mit der Alten mitgenommen wird. Deshalb ist auch hier unbedingt die Alte mit Tr zurück zu spielen. Du weißt auch nie, ob der Absager diesen Tr-Stich einkalkuliert hat oder nicht. Du musst die Alte nehmen, selbst wenn die Position schlechter ist. Bei 1-4 ist sie sicher Pflicht.

foxxy, 09. Februar 2011, um 13:10

Der Punkt ist zwar schon durch, aber ich halte eine k60 _nach_ der Kreuzdame für schlimmer, weil Mixa dann davon ausgehen muss, dass kein Pikas und auch sonst keines bei Re liegt, vorher kann er wenigstens darauf hoffen.

Stoni, 09. Februar 2011, um 13:29
zuletzt bearbeitet am 09. Februar 2011, um 13:29

Hoffen sollte man bei k60 auf nix ;-)) schliesslich muss man sie ja nicht sagen. Aber nach seinem Re und nur der Kr9 aufs eigene KrAs von seinem Partner, hofft Mixa wohl darauf, daß der den 2. Kreuz stechen kann, und nur ein Fehlverlierer bleibt.

foxxy, 09. Februar 2011, um 13:40

Genau deshalb ist die Absage _nach_ der Alten schlimmer, weil er dann sicher _weiß_, dass beim Partner nix zu holen ist.
Die Kreuz9 als Single hätte auch von einem trumpfschwachen Re zu Beginn angeschoben werden können.

Unabhängig davon bringt es nichts, ein Spiel zu überanalysieren. Hier gibt es keinen größeren Erkenntnisgewinn mehr, und jeder vertut sich mal.

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