Unterhaltung: "Richtige" Fans oder Erfolgsfans und Geschichten rund um den Herzensverein.

werderino, 13. Dezember 2013, um 08:49

Da im CL-Fred eine interessante Diskussion am Start war und ist eröffne ich mal diesen Fred. Auch Geschichten von damals und heute sind immer erwünscht. Selbstverständlich auch von anderen Sportarten neben dem einzig wahren Fußball.
Dem Murkskarl stelle ich zum Trost mal nen Sixpack Reissdorf-Kölsch in die Ecke.

werderino, 13. Dezember 2013, um 08:50
zuletzt bearbeitet am 13. Dezember 2013, um 08:51

Also in der alten Heimat war (und bin immer noch) glühender Fortuna Köln-Fan (Südstadt verzäll nix^^). Das alte Südstadion - das hat noch Flair.
Nich so wie die Schickimicki-Bude vom Äffzeh.

Waren das noch Zeiten ....mit Schäng Löring, der den Toni Schumacherseinerzeit in der Halbzeitpause als Trainer der Fortuna entließ (du
kanns afhaue - mach dich fott he)^^.

Und die Kneipe gegenüber vom Stadion "Bachhus". Die gehörte auch dem Schäng. Geile Absturzveranstaltungen bis zum Verlust der Muttersprache da erlebt.......

Stoni, 13. Dezember 2013, um 10:47

Ich kam 1975 zum KSC und erlebte daraufhin 5-6 Auf- und Abstiege meiner Fahrstuhlmannschaft ... bis Winfried Schäfer kam und die erfolgreichen Zeiten begannen ... wenn man jahrelang nur Wasser und Brot bekam, sind die Gefühle, die man dann bei dem Genuß mehrgängiger Gourmet-Menüs erlebt, unbeschreiblich beglückend. Das werden die nie verstehen, die beim Kaviar eingestiegen sind.

werderino, 13. Dezember 2013, um 11:01

Ich bin 1975 dann nach Verden bei Bremen gezogen, beruflich bedingt und dort bis fast 1985 geblieben, musste dann leider familiär bedingt wieder zurück ins Rheinland. War vorher schon Werder-Sympathisant, bin dann großer Fan geworden mit Vereinsmitgliedschaft und Dauerkarte. Freud und Leid - alles durch - einschließlich Abstieg und Wiederaufstieg mit Otto. Und Erwin Kostedde im Sturm....lol.
Als echter Fan muss man halt da durch. Ist wie in der Ehe....in guten und in schlechten Zeiten. In guten Zeiten kann jeder....da sind wir wieder beim Thema "Erfolgsfans"....:-)

Stoni, 13. Dezember 2013, um 11:07

Erfolg ist relativ ... und Glück auch ... bei einigen Auswärtsspielen in der 2. Liga-Süd waren wir schon damals mehr Fans als Vizekusen heute in der BL/CL aufbringen kann und die Freude war unbeschreiblich ... für eine glückliche Ehe, Liebe und guten Sex muss man nicht mit Pamela liiert sein )

Ex-Füchse #365, 13. Dezember 2013, um 11:22

Und doch ist es schöner, wenn der Lieblingsverein (endlich mal) Erfolg hat.
Als Hertha-Anhängerin weiß ich, wovon ich rede.
Natürlich hältst Du Deinem Verein auch die Treue, wenn er in der zweiten Liga kickt (you'll never walk alone); aber es macht schon mehr Spaß sie gegen Dortmund oder Bayern zu unterstützen als gegen den SV Meppen oder den VfL Osnabrück.

Karl_Murks, 13. Dezember 2013, um 11:45

In meinem Herzen bin ich Meppener und fühle mich daher von Eva ein stückweit gemobbt!

werderino, 13. Dezember 2013, um 11:52

In dem Jahr 2. Liga waren das auch immer schöne "Kämpfe" mit Meppen und dem VFL Oldenburg, wenn ich mich recht erinnere......
Meppen gehörte doch damals neben Fortuna Köln zu den "Unabsteigbaren" in der 2. BL.

rocknrolla, 13. Dezember 2013, um 11:58

mit dem VFL Oldenburg??????????????????

Jetzt gönne ich euch fischköppen den abstieg von herzen, aber sowas von.........

es war der ruhmreiche VFB Oldenburg, der euch am Donnerschwee, in der "Hölle des Nordens" eingeheizt hat. ich seh den stumpenrudiassauer noch heute vor mir, das Stadion ausverkauft, die Stimmung bombastisch und nur weil ein klitzekleines bisken Schnee auf dem Rasen lag, wollte der mit seiner Abstiegstruppe nicht antreten....

pfui, werder, vfl unglaublich

Basti1909, 13. Dezember 2013, um 12:04

oh, lese das erst jetzt.
naja, mein beitrag steht im cl-thread.

werderino, 13. Dezember 2013, um 12:05

Bitte um milde Bestrafung...das Alter halt...:-). Hast selbstverständlich recht. Beim VFL Oldenburg hab ich die Damenhandballerinnen im Koppe gehabt.
War das nicht die Erstverwendung von Stumpenrudi als Manager?
Das gleiche Ding wie Klaus Allofs damals beim Pokalspielen von Werder auf Strandpauli. Schneebedeckter Platz - Strandpauli spielte unter der Grasnarbe^^. In der Halbzeit kommt damals noch Präsi, Corny Littmann - offensichtlich 3,4345 Promülle und sagt zu Klausi "Wir wollen doch alle nur Spaß haben". Der Allofs ist fast völlig ausgerastet. So habe ich den bis dahin und dann nie wieder gesehn.

Friedrich, 13. Dezember 2013, um 12:16

Hm, tut mir ehrlich gesagt ein wenig leid, dass ich gestern im übermüdeten Kopp dieses Fass aufgemacht habe.

Denn eigentlich habe ich dazu eine relativ einfache Meinung:
Warum jemand Sympathien für irgendeinen Verein hat, muss mich nicht interessieren. Den Begriff Erfolgsfan, den ich selbst im CL-Fred verwendet hatte, fand ich eigentlich immer schon bescheuert.
Denn ob Dortmunder, Bayern, Bochumer, Wattenscheider, Hamburger, Chemnitzer, Schalker, Oldenburger oder Dredsner; es gibt einen Grund, dass all diese Anhänger nicht in erster Linie Fans des SV Sirzenich sind - nämlich die Tatsache, dass der SV Sirzenich keinerlei Erfolg hat.

Soll halt jeder glücklich werden mit dem Klub, für den sein Herz schlägt - und ein Fußballherz haben meiner Erfahrung nach selbst die meisten Bayernfans.

Selbst ich als Wattenscheider bin möglicherweise ein Erfolgsfan. Schließlich wurde ich in einer zeit sozialisiert, in der Wattenscheid zu den Topteams der zweiten Liga gehörte. Zum Ende meiner Grundschulzeit folgte dann sogar der Aufstieg in die Erste.
Fast möchte ich bezweifeln, dass ich mir in der Folge bis heute Regional-, Ober-, und sogar Verbandsligaspiele angeschaut hätte, wenn es diese erfolgreiche Zeit damals nicht gegeben hätte...

werderino, 13. Dezember 2013, um 12:19

Erzähl doch mal Friedrich, wie dat mit den Steilmanns war. Für Klaus Steilmann war doch Watte 09 neben seiner Klamottenbude "das" Lebenswerk.
So viel mir in Erinnerung ist, gings doch mit der Übernahme der Firma durch die Tochter, heißt glaub ich Britta Steilmann, dann mit dem Verein bergab oder?

boomer01, 13. Dezember 2013, um 12:21

"und ein Fußballherz haben meiner Erfahrung nach selbst die meisten Bayernfans."
ersetzen wir mal "meisten" durch "einige" - dann passt es

OpaAdonisES, 13. Dezember 2013, um 12:34

Zwischen meinen Preussen aus Münster und den Wattenscheidern hat es auch immer tolle Duelle gegeben....wenn ich da noch an den Flitzer Sulyman Sane denke...das waren noch Zeiten...und unser ehemaliger Törjäger Uwe Tschiskale wechselte dann auch noch von Preussen nach Wattenscheid...Pfui sage ich da heute noch :-)

Seb1904, 13. Dezember 2013, um 12:36
zuletzt bearbeitet am 13. Dezember 2013, um 12:38

Schöne Geschichten um den Fussball - manche holt man gerne wieder ins Gedächtnis zurück, manche haben gar nichts mit dem eigenen Verein zu tun. Manche sind fast zu schön, um sie nur am eigenen Stammtisch zum Besten zu geben (und vielleicht will sie dort ja auch keiner mehr hören?).

Südstadt verzäll nix, schreibt Werder. Ein Titel von BAP, der diesen Urkölner Stadtteil auffordern will, nicht abzuheben, ursprünglich zu bleiben. Ich habe in einem meiner Vorleben lange in der Südstadt geliebt, die Verflossene studierte da und wohnte keine 200 m weg vom Südstadion. Bei der Fortuna war ich trotzdem nur ein paar mal, meist in Begleitung meiner Schalker in Zweitligazeiten oder zu einem Pokalspiel. Und doch hab ich ebenda das geilste Fussballspiel gesehen. Wir waren ein paar Tage in Paris gewesen und kamen Sonntagmittag völlig übermüdet und überdreht in Köln an. Die Fortuna spielte um den Aufstieg in die erste Liga gegen den direkten Tabellennachbarn. Wattenscheid 09. Das versprach Spannung, und ich hatte schon im Vorfeld zwei Karten besorgt. Das Spiel war der Hammer. Es endete sage und schreibe 5:6, die Führung wechselte mehrfach, mal war der SC aufgestiegen, mal die SG. Verschossene Elfmeter und Lattenknaller kamen hinzu, und natürlich ein total aufgeheiztes Publikum. Wir standen in der Kölner Fankurve, und auch als neutraler Zuschauer bleibt man vom Fieber nicht verschont, das Euphorie und Enttäuschung in einer Menschenmege auslösen können. Schade, dass sich der SC nie wirklich aus den Klauen des Schäng befreien konnte. Andererseits braucht der Fussball genau solche Typen um authentisch zu bleiben. Ohne den wäre Fortuna nie eine Erfolgsstory geworden. Auch für mich ist Fussball in Köln eher Fortuna als der FC. Wegen dieses einen Spiels. Und der Verzäll der Südstadt wäre nur halb so schön ohne die Fortuna.

Friedrich, 13. Dezember 2013, um 12:49

Um auf werderinos Frage nach der SGW zu antworten:

Jo, die war nicht die hellste Laterne der Stadt.
Aber ob's mit wem anders langfristig großartig anders gelaufen wäre, weiß man auch nicht so recht.

Die Sache liegt so, dass man Lebenswerk von Klaus Steilmann nicht so einfach in Firma und Verein trennen kann. Sein Lebenswerk war die Stadt Wattenscheid, die er über alles liebte.
Es gibt hier keine Schule, keinen Fußball- oder Taubenzüchterverein und kein Geschäuft, welches nicht in irgendeiner Form mal Unterstützung von ihm erhalten hat. Er hat dabei niemanden von sich abhängig gemacht, sondern halt nur geholfen, wo er konnte. Klingt alles ein wenig nach Glorifizierung aber es war so - da kannste jeden Wattenscheider fragen.

Er hat sich schließlich Mitte bis Ende der 90er privat fast ruiniert bei dem Versuch, seine Textilfabrik so lange wie möglich am Standort Deutschland zu halten. Das konnte nicht gut gehen und irgendwann war die Firma Pleite.
Den Verein Wattenscheid 09 (der als Bundesligist nur durch die Steilmanngelder überlebensfähig war) traf das natürlich hart. Gleiches gilt übrigens für den TV Wattenscheid 01 - einen der großen deutschen Leichtathletikvereine.

Nun, worauf ich hinaus will, ist die Tatsache, dass Britta Steilmann den Niedergang mit einigen falschen Entscheidungen wohl beschleunigt hat, dieser jedoch fast schon Zwangsläufig folgen musste, als klar war, dass finanzielle Unterstützung in diesem Ausmaß nicht mehr möglich sein würde.

Die ersten Jahre danach waren eigentlich noch ganz lustig - Regionalliga (damals 3.) hatte was und ermöglichte es mir als jungem Kerl damals, erheblich mehr Auswärtsfahrten mitzumachen, als ich es in der Buli finanziell hätte stemmen können.
Nach der Jahrtausendwende ging es dann stetig bergab. Jedem, der immer behauptet, er würde seinem Verein auch in der Kreisklasse treu bleiben, empfehle ich mal einen solchen Niedergang. Ich sage ganz offen: In der Verbandsligazeit hab ich mich irgendwann nicht mehr überwinden können. Zweimal war ich damals in der Lohrheide - als ich beim zweiten Mal allein mit 50 Faschos in der Kurve stand und mir im Nieselregen ein 0:0 gegen Phönix Eving angeguckt habe, wars das dann für mich bis zum Wiederaufstieg.

In den vergangenen vier Jahren hat der Klub nun einen tollen Weg beschritten und sich langsam wieder nach oben gekämpft. In der Regionalliga West gibt es tolle Begegnungen gegen Alemannia Aachen, KFC Uerdingen, Fortuna Köln, RW Essen oder RW Oberhausen - es macht wieder richtig Spaß!
Glück auf!!

P.S. Weils ein wenig zum Thema passt:
Uns Wattenscheidern wurde damals und heute übrigens immer viel Sympathie entgegen gebracht. Manchmal wundere ich mich deshalb, warum der TSG Hoffenheim ein derartiges Ausmaß an Hass entgegenschlägt. Wir sind damals ja auch nur durch einen Mäzen eine "große" Nummer geworden.
Stolz kann der Verein darauf sein, dass das Geld nicht nur in die Profi-Abteilung floss, sondern das Ganze auch immer mit einer grandiosen Jugendarbeit einherging, die sich im Ruhrgebiet die Top-Klubs später zum Vorbild genommen haben.
Allerdings wird auch in Sinsheim ausgiebige Jugendförderung praktiziert, wenn ich mich nicht irre. Warum wurden wir also damals nicht als Retortenklub beschimpft?

Friedrich, 13. Dezember 2013, um 12:55

@ Seb: Tolle Geschichte, von dem Spiel spricht man in Wattenscheid auch heute noch oft. Ich beneide dich echt darum, dass du es miterleben durftest. Der Aufstieg war damit zwar noch nicht entgültig (war erst Mitte März oder so), aber es war ein ganz wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin.

Seb1904, 13. Dezember 2013, um 12:55

Vielleicht weil Eure "09" ehrlicher ist als die "99" von SAP? Vielleicht auch, weil die Bratwurst in der Lohrheide die beste Stadionwurst aller Zeiten war? Vielleicht, weil man etwas mehr am Boden blieb und nicht die Championsleague als Anspruch formulierte? Vielleicht auch, weil der Ruhrpott ein besserer Nährboden für fussballerische Verrücktheiten ist als der Kraichgau.

Abgesehen davon halte ich Leute wie Hopp auch eher für einen Segen als einen Fluch.

werderino, 13. Dezember 2013, um 12:57

Klasse Beitrag Friedrich. Der sportliche Erfolg war natürlich auch eng verbunden mit einem Hannes Bongartz als Trainer, den ich aufgrund seiner Offenheit, ist ja schließlich auch ein "gelernter" Rheinländer, immer sehr zu schätzen wußte oder liege ich da falsch?

boomer01, 13. Dezember 2013, um 13:01

diese "retortenklubs" sind doch in den unterklassigen vereinen gang und gaebe - habe mal in holzwickede gekickt, total abhaengig von "adler", als die nicht mehr zahlten, ging es ab von der oberliga bis in die kreisklasse...

Friedrich, 13. Dezember 2013, um 13:05

Klaro, Bongartz war nicht nur ein toller Spieler sondern anschließend auch ein wirklich guter Trainer. Die SG 09 war damals die erste deutsche Mannschaft, die in ihrem Standardsystem mit einer 4er-Abwehrkette spielte. Das machte den temporeichen Konterfußball erst möglich, der immerhin drei Jahre lang den Klassenerhalt in der Buli sicherte.
Ich habe mich oft gefragt, warum der Hannes sich später nie bei einem anderen Klub wirklich durchsetzen konnte. Vielleicht war er einfach schon zu sehr mit den Strukturen bei der SGW verwachsen, um sich in einem neuen Verein vernünftig anzupassen.

Friedrich, 13. Dezember 2013, um 13:08
zuletzt bearbeitet am 13. Dezember 2013, um 13:08

Stimmt schon boomer - welche Vereine der Stadt grad mal 'ne Runde Landesliga kicken dürfen, entscheidet meist wirklich der ortsansässige Autohändler...

Seb1904, 13. Dezember 2013, um 13:11
zuletzt bearbeitet am 13. Dezember 2013, um 13:12

Jaja, der Spargeltarzan. Der hat Schalke bei meinem ersten Spiel im Parkstadion abgeschossen.

(und die Anspielung auf "Reifen Tanski" hättest du Dir auch verkneifen können - einer er peinlichsten "Partner" des S04 seit langem. Man sehnt sich nach Rudi Höffgens Alurädern....)

Habe mir gerade mal die Seite der SG09 angesehen. Tempora mutantur. Früher warb man mit dem Milliardenunternehmen Steilmann, heute lädt auf der Startseite der Saunaclub Acapulco zu einem Besuch ein.

Seb1904, 13. Dezember 2013, um 13:14

Meine emotionalste Schalke-Geschichte ist eng mit einem Spiel gegen die Spvgg. Unterhaching verbunden. Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht darüber reden möchte.

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