Doppelkopf-Strategien: EvilNephews Analyse eines Bubensolos im Vergleich zum Fleischlosen

EvilNephew, 27. Februar 2014, um 01:48
zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2014, um 11:40

Ich mache hierfür einen eigenen Thread. Ich habe wenig Lust, dass ich mir hier einen Wolf schreibe und es keine Sau liest, weil es Antwort Nr 45 in einem Thread ist, der abgeschlossen scheint.

So sieht das Bubensolo aus:

Kreuz-BubeKaro-BubeKaro-BubeKaro-AssKaro-AssKaro-ZehnKaro-DameKaro-NeunPik-ZehnHerz-AssHerz-KönigKreuz-Neun

So sieht der Fleischlose aus:

Karo-AssKaro-AssKaro-ZehnKaro-DameKaro-BubeKaro-BubeKaro-NeunHerz-AssHerz-KönigPik-ZehnKreuz-BubeKreuz-Neun

Darum wird es gehen:
"Was ist der EW vom Bubensolo?"
"Was ist der EW vom Fleischlosen?"
"Warum sollte ich fast immer den Fleischlosen spielen?"

Darum wird es nicht gehen:
"Warum ist die Kontrakarte ein Blender?"

Fangen wir mit dem Fleischlosen an.
EW ist 105 + 4+2+0+0 = 111

Wenn Karo nicht steht (10%), dann habe ich -12. Die 60 werde ich immer bekommen, die 90 nie. Fallen die Karo (90%), kommt es auf die Vollen der Gegner an.

So sehen die Wahrscheinlichkeiten aus, was die Vollenverteilung angeht:

Zu 48% stehen keine 5 oder mehr Volle auf einer Hand. Da verliere ich fast immer mit Kontra, wenn der Tisch was kann, wovon auszugehen ist. Ich nehme hier eine 90%-Kontra-Wahrscheinlichkeit an, die 10% sind Fälle, in denen Asse blank stehen oder ähnliche Konstellationen vom Kontra anhalten.
Zu 38% stehen 5 Volle auf einer Hand. Da bekomme ich kein Kontra, verliere in der Mehrzahl der Fälle wohl immer noch.
Zu 14% stehen 6 Volle auf einer Hand und ich gewinne immer.

Da der 4 Volle-Fall und 6-Volle-Fall eindeutig sind, fokussieren wir uns auf den 5-Volle-Fall. Wann gewinne ich zusätzlich?:

- 5 Volle auf einer Hand, blankes Herzvolles bei einem anderen Spieler.
- 5 Volle auf einer Hand und günstige Verteilung der Könige/Damen der Gegner.
- 5 Volle auf einer Hand und günstige Verteilung der Anzeigekarten. Soll heißen, durch die As-Anzeige bekomme ich 1-2 Könige mehr als geplant. Oder aber, die As-Anzeige wird aufgrund von ungünstiger Farbkonstellation nicht konsequent durchgezogen und dadurch fällt eine weitere Volle. Das kann durchaus passieren.

Es fehlt noch der Schätzwert, wann ich mit 5 Vollen auf einer Hand aufgrund eines der obigen Fälle gewinne. Man beachte: Bei 5 Vollen auf einer Hand steigt mein EW schon auf 117, Ungenauigkeit bei Königen und Damen reicht da recht fix. Sagen wir, wir gewinnen jedes dritte Spiel bei 5 Vollen durch einen der obigen Fälle.

Wir können jetzt also den Erwartungswert des Fleischlosen berechnen:

(0,14*3-0,48*8,1-1*0,38)*0,9 - 12*0,1 = -4,7 (gerundet).
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Kommen wir zum Bubensolo. Die Wahrscheinlichkeiten hierfür habe ich nachgeschaut.

10% 4-1-0 oder 5-0-0
23% 3-2-0
25% 3-1-1
42% 2-2-1

Im Fall der 10% bekomme ich Kontra und verliere irgendwo zwischen u90 und u60. Als EW schlage ich hier -13,5 vor, die goldene Mitte.

Im Fall von 3-2-0 kann ich ebenfalls relativ schnell wegschmeißen. Die Ansicht von Silberfux, dieses Blatt wird aufgrund von zwei Eingängen bei Bubennachspiel zu 25% gewonnen, entbehrt jeglicher Grundlage. Auch die Aussage, man bekommt die 90, wenn man Karo nachspielt, kann nicht hinhauen. Selbst wenn ich meinen Einschub bekomme, habe ich 5 Abgeber. Wenn ich meinen FL schon mit 4 Abgeber meistens verliere, wie soll das mit 5 Abgebern hinhauen?

Beispiel a:

Kreuz-BubeHerz-BubePik-NeunHerz-Bube
Karo-BubePik-BubeKreuz-BubeKreuz-Zehn
Kreuz-BubePik-ZehnKaro-BubeKaro-Zehn

Karo-König

Was ist mein Einschub jetzt wert? Ich kriege 5 Karo von oben und 1 Herzstich. Das sind - wenn überhaupt - die 90, selbst das ist nicht sicher. Ich gewinne also bei 3-2-0 nicht, wenn ich abgezogen werden kann. Das wären 60%, zu 40% kommt der 2-Buben-Mann an den Stich und kann mich nicht abstechen. Ich muss also mit den 40% weiterrechnen.

Bei diesen 40% kann es passieren, dass der Bubenmann über Herz, Kreuz oder Pik an den Stich kommt, bevor der Einschub erfolgt. Dann werde ich immer noch abgezogen und verliere. Ziehen wir also 33% für Zwischenabzug vor Einzug ab. Rechnen wir also mit den 66% von den 40% weiter, bei denen der 2-Buben-Mann an Stich kommt und mich direkt einschiebt. Kann ja vorkommen.

Aber selbst dann habe ich noch 5 Abgeber. Die Abgeber sind aber etwas kontrollierter, da ich Karo spiele, abgestochen werde, und dann den letzten Trumpf besitze. Die 5 Abgeber sind also folgende eigenen Karten, die ich abgebe:

Karo-BubeKaro-AssPik-ZehnHerz-KönigKreuz-Neun (27 Augen)

Auf die 15 Karten, die die Gegner dazulegen dürfen, fallen:
Pik-BubePik-BubeKreuz-BubeKaro-ZehnKaro-König + 10 unbekannte.

Wir sind also bei 47 Augen + 10 weitere Karten der Gegner, die wir nicht kennen. Es gibt noch folgende ungeklärte Volle: Kreuz-AssKreuz-AssKreuz-ZehnKreuz-ZehnPik-AssPik-AssPik-ZehnHerz-AssHerz-ZehnHerz-Zehn. Die Gegner müssen also 6 von 10 Volle heimtragen, um selbst im für mich günstigsten Fall immer noch zu gewinnen. Wird auf den Bubenstich geschmiert, reicht es also, auf 3 Abgeber aus 3 verschiedenen Farben insgesamt 5 Volle zu parken. Wie schwer kann das bitte sein? Selbst bei Einschub sieht das also richtig düster an.

(Einschub: Wenn der Bubenmann eine passende Blattstruktur hat und clever spielt, sticht er die Karo gar nicht. Dann gebe ich - cleveres Spiel vorausgesetzt, da muss man den Überblick dafür haben, sonst sollte man von solchen Spielzügen die Finger lassen. Sticht der Bubenmann nicht meine Karoflöte ab und gebe ich wieder die letzten 5 Stiche ab, werden die wieder richtig teuer. Ich halte die Doppelkopfszene aber für nicht so weit entwickelt, dass solche Spielzüge verstanden werden.)

Ich habe also bei 25% Einschubwahrscheinlichkeit zu 40%*66%, etwas gerundet also 25%, insgesamt also ca. 7%, die Chance, dass die Gegner keine 6 Volle in 3 Stiche packen. 7% Chance darauf, dass keine 6 Volle in 3 Stichen fallen? Das sind unterm Strich noch vielleicht 3%, in denen ich gewinne. Tolle Wurst!

Im Gegenzug droht mir oft eine Komplettrasur. Mir werden die Buben abgezogen und dann werde ich nicht eingeschoben. Da verliere ich leicht auch mal u90 oder u60. Ich denke, bei 3-2-0 verliere ich - der Gewinnfall nicht mit einberechnet - bei Bubennachspiel mindestens genauso oft u60, wie ich ü90 gewinne.

Ich habe also 97% für -12 wieder und 3% für +9. Macht in der Summe Dass ich kein Kontra bekomme, wenn mir alle Buben abgezogen werden können und ein Spieler das im Ansagezeitraum sieht, ist utopisch. Macht in der Summe -11,37, wir runden sogar auf -11 ab.
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Kommen wir zum erfreulichen Fall.

1. Kreuz-BubeHerz-BubeHerz-BubePik-Bube

Und jetzt das riesige Problem. Bei meiner Bubenstruktur habe ich keine Chance zu erkennen, ob 3-1-1 oder 2-2-1 vorliegt. Das erfahre ich auf keinen Fall im Ansagezeitraum. Ich kann also entscheiden, ob ich Karo vorspiele auf Abstich und Rückstich, oder zocke (RIP Zocko :( ) und Bauer nachspiele.

1a) Ich spiele Karo nach. Ich befinde mich nun in einer sehr ähnlichen Situation wie der Positivfall vorhin. Ich gebe 5 Stiche in 4 Farben ab und muss hoffen, dass diese 5 Stiche nicht reichen für Kontra. Das ist utopisch, das reicht fast immer. Ich bin ja völlig unflexibel und muss jede Farbe bedienen. Ich gewinne dann wohl zu 25% und bekomme zu 75% das Kontra. Beide Werte sind wirklich freundlich geschätzt, ich sehe die Gewinnchance niedriger und die Kontrawahrscheinlichkeit höher. Ich will mir aber nicht vorwerfen lassen, Zahlen zu frisieren. *gg*

Der Erwartungswert der Variante 1a) ist -4,5. Wenn der bessere Fall den selben Erwartungswert hat wie alle Fälle des Alternativsolos, sollte man das Alternativsolo wählen. Man sollte also bei 4 fallenden Buben Bube nachspielen, um eventuell ein besseres Ergebnis zu erzielen.

1b) Ich spiele Bube nach. Ich habe also

42% 2-2-1. Mit Re gespielt im Schnitt wohl ziemlich exakt +9. Dass man mit den 4 Abgebern noch die 90 schafft, ist wohl wirklich schwer bis unmöglich, gerade weil man den Herz-König beim Herz-Ass nicht abwerfen kann.

25% 3-1-1. Re/Kontra-Spiel und direkter Bubenabzug. Ein Einschub hilft mir nicht. Ich muss von oben ziehen und muss dann die letzten 3 Stiche immer noch abgeben. Wenn ich einen 7+1 schon nur zu 25% gewinne, kann ich die Chance für einen 6+1 vergessen. Dagegen verliere ich wieder regelmäßig u90 oder sogar u60. Es ist viel zu einfach für die Gegner, sich über Zögern die Asse anzuzeigen, um mir die Stufen zu verweigern. Wenn ich die Chance auf 90 genauso hoch bewerte wie die Chance, u60 zu verlieren, lande ich aufgrund des Doppelschusses bei -18. Ganz ehrlich: Mit 3 starken Spielern am Tisch krieg ich die 60 schon wirklich selten. Man zeigt sich gegenseitig Asse durch zögern an, behält seine langen, starken Farben und wirft auf den Bauernabzug Herz und vor allem Karobilder und Volle ab.

Berechnen wir nun die Gesamtsumme:

42% 2-2-1: +10
25% 3-1-1: -18
23% 3-2-0: -11
10% 4-1-0 oder 5-0-0: -13,5

Insgesamt: 0,42*9 - 0,25 *(-18) - 0,23 * 11 - 0,1 *13,5 = 3,78 - 4,5 - 2,53 - 1,35 = -4,6
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Damit wäre das Bubensolo um 0,1 besser als der Fleischlose.
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Aber Evil, warum willst du dann lieber den Fleischlosen spielen anstelle der Buben?

Weil wir eine Sache noch völlig außer Acht gelassen haben. Dass etwas wie hier passiert:

https://www.fuchstreff.de/spiele/22060341

Noch im Ansagezeitraum sieht in fast allen Verlustfällen jeder Gegenspieler, dass ich Trumpfleer gespielt werde. Sobald ein Spieler lang Pik oder lang Kreuz mit Doppelas hat, fällt die Absage. Gerade an stärkeren Tischen passiert das öfter, als mir lieb ist.
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Wozu also sollte ich in Spiel 5 einer Liste ein derartiges Hopp-oder-Topp-Solo riskieren? Ich kann mir die Liste mit einem heftigen Negativsolo ziemlich mit einer derartigen Hypothek zerschießen.

An die Anhänger des Bubensolos ein kleines Trostpflaster:

Es gibt Situationen, in denen die Buben zu bevorzugen sind.

a) Ich brauche noch dringend Punkte und ein hohes Negativspiel verkraften. Da sind die Buben mit 42% auf +9 viel stärker als der Fleischlose, der nur 25% auf +9 bietet. (Wenn man das Risiko-Re dort geben würde)

b) Ich werde vorgeführt. Da kriege ich auch auf verteilte Buben mein Kontra und kann zurückschießen. Mit 42% auf +15 überholt das Bubensolo den Fleischlosen.

Einen freundlichen Handschlag als Belohnung für jeden, der bis hierher durchgehalten hat! Ein Freibier für den ersten Poster, der hier - als Beispiel für die Sinnlosigkeit, wirklich tiefsinnige Diskussionen zu versuchen - eine kleine Ausführung über Gartenscheren schreibt. Wird beim nächsten Aufeinandertreffen gezahlt!

Friedrich, 27. Februar 2014, um 02:42

Die Gartenschere wurde im 19. Jahrhundert unter dem Begriff Rebschere im heutigen Deutschland (bzw. in den deutschen Weinanbaugebieten) bekannt.
Danke.

TerryTate, 27. Februar 2014, um 02:43

Friedrichs Beitrag ist lesenswert...

Friedrich, 27. Februar 2014, um 04:29
zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2014, um 04:31

Okay, nochmal ernsthaft, wobei ich auf das Pils durchaus bestehe.

Zum Fleischlosen:
Ich halte die 25 Prozent Siegchance durchaus nicht für fair. Was du zum Beispiel unter den Tisch hast fallen lassen, ist der ungünstige Karositz.
Was fehlt in Karo?
Karo-ZehnKaro-KönigKaro-KönigKaro-DameKaro-Neun
Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Karo zu fünft sitzt, beläuft sich auf 0,63 Prozent, ist also fast zu vernachlässigen.
Für einen 4-1-0-Sitz bewegen wir uns aber schon in einem Bereich von 9,45 Prozent und da mir selbst ein Alleinsitz der Karozehn hier nicht hilft, bleibt das Solo also in mehr als jedem zehnten Spiel bei vier Stichen stehen.
In gar nicht sooo wenigen Fällen hole ich mir dann neben dem Kontra sogar womöglich noch die k90 ab...

Ich denke also, der Karositz relativiert die denkbaren günstigen Szenarien, bei welchen ich auch gegen nur fünf Volle auf einer Hand gewinne.

Zum Bubensolo:
Gegen drei Buben verliert man den - so einfach ist das.

Das Fazit:
Klar sind die Buben zu Beginn einer Liste Mist. Dann lieber die Asse, die ich so früh allerdings ebenfalls nicht spielen würde, da das Kontrablatt durchaus kein Blender ist.
Zu bemerken, dass sich zum Ende hin Situationen ergeben können, in welchen man die bessere Gewinnaussicht für das Bubensolo (nicht den besseren Punkte-EW!) mitnehmen sollte, ist indes keine Hexerei. Nicht der Langeweile wegen stürmt schließlich in K.o.-Spielen der Torhüter bei Rückstand seines Teams ab der 89. Minute mit in den gegnerischen Strafraum...

Talentfrei, 27. Februar 2014, um 07:57

Bei dem erfreulichen Fall (jeder bedient) schreibst du:

"Und jetzt das riesige Problem. Bei meiner Bubenstruktur habe ich keine
Chance zu erkennen, ob 3-1-1 oder 2-2-1 vorliegt. Das erfahre ich auf
keinen Fall im Ansagezeitraum."

Zögert ein Spieler den Pik-Bube an, kennst du sehr wohl den Bubensitz. Kommt immer noch häufig vor, auch bei besseren Spielern dieser Plattform.

Ansonsten ist alles prima erklärt.

Ossi, 27. Februar 2014, um 08:34

Was hilft dir die Info, dass der Kreuzbube angezögert wurde? Dieser Spieler wird nun diesen halten, kann aber auch noch den 2. Pikbuben haben.

Friedrich, 27. Februar 2014, um 08:37
zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2014, um 08:40

So hilft sie dir Ossi:

Kreuz-BubeHerz-BubePik-BubedummdidummPik-Bube

Friedrich, 27. Februar 2014, um 08:39
Dieser Eintrag wurde entfernt.

Ex-Füchse #365, 27. Februar 2014, um 09:14

Jedenfalls danke ich schon mal für diese ausführliche Analyse.

Karl_Murks, 27. Februar 2014, um 09:20

Nach Lektüre des Beitrachs am frühen Morgen müsste man sich eigentlich nomma wieder 'ne Std. aufs Ohr hauen ...

rocknrolla, 27. Februar 2014, um 09:45
zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2014, um 09:46

ich bin bei karl^^ und ne gartenschere hab ich im keller

EvilNephew, 27. Februar 2014, um 11:11

@Ossi

Das Anzögern von Kreuzbube habe ich mir abgewöhnt, wenn ich Pikbube bedienen musste, um eine 2-2-0 oder 2-2-1-Konstellation nicht zu verraten. Die Schmierung, die ich dafür bekomme, macht die Sicherheit bei der Erstansage des Solisten nicht wett.

@Friedrich

Das Pils kriegst du. Den EW des Fleischlosen passe ich eben noch an. Da war ich bei den Wahrscheinlichkeiten zu großzügig. Am Anfang des Textes dachte ich noch nicht, dass ich so ins Detail gehen werde.

Ossi, 27. Februar 2014, um 11:14

Ich habe nie behauptet, dass man den Kreuzbuben anzögern sollte, ich wollte nur TF's Beitrag widerlegen.

Friedrich, 27. Februar 2014, um 11:19

Was dir nicht gelungen ist...^^

EvilNephew, 27. Februar 2014, um 11:41

Ich hab die Zahlen mal angepasst und komme jetzt auf -4,7 für den FL. Das sind aber wirklich grobe Schätzwerte, weil man die Zahlen nicht genau kennen kann.

boomer01, 27. Februar 2014, um 12:12
zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2014, um 12:20

jo, aber wenn ich die karo neun im dritten stich anzuppel, dann weiss mein partner doch bescheid

Friedrich, 27. Februar 2014, um 12:47

Irgendwie is dieses Nerd-Gedöns ja fast witzig, wenn man's einmal so halbwegs geschnallt hat.
Ich mach also einfach mal spaßenshalber meine eigene Rechnung für den FL auf:
Den Wert für die sicher erfolgreichen 14 Prozent setze ich dabei auf 3,6 hoch, da ich davon ausgehe, mindestens (!) in jedem zehnten Spiel das Kontra zu bekommen.
Die -8,1 als Wert für die sicher verlorenen 48 Prozent finde ich gut gewählt. Wenn ich's richtig kapiert habe, rechnet evil damit, in jedem 8,5ten Spiel kein Kontra zu bekommen - aus meiner Sicht realistisch.
Die Rechnung bei den zu 38 Prozent auf einer Hand sehe ich ein klein wenig pessimistischer und setze daher den Wert auf -1,5 statt nur -1.

Ergibt:
(0,14*3,6 - 0,48*8,1 - 1,5*0,38)*0,9 - 12*0,1 = -4,8 (gerundet)

boomer01, 27. Februar 2014, um 12:52

essen und trinken geht aber noch ?

TerryTate, 27. Februar 2014, um 13:13

evilsagtbyebye
vor ungefähr 2 Stunden




@Ossi

Das Anzögern von Kreuzbube habe ich mir abgewöhnt, wenn ich Pikbube
bedienen musste, um eine 2-2-0 oder 2-2-1-Konstellation nicht zu
verraten. Die Schmierung, die ich dafür bekomme, macht die Sicherheit
bei der Erstansage des Solisten nicht wett.
__________________________________________

Ist ja witzig, über diese unwichtige Berechnung, deren Ergebnis ein kurzer Blick in das Blatt verrät, machst du dir ewig Gedanken, aber einen so ultradämlichen Spielzug musst du dir abgewöhnen?

akaSilberfux, 27. Februar 2014, um 15:04
zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2014, um 15:05

Um ein erstes Element heraus zu greifen:

Fleischlos mit 5 Volle auf einer Hand:

im Gegenspiel empfinde ich Hände als günstig und denke über ein Kontra nach, solange sie 3 - 5 Volle
enthalten. Die Hände mit 3 Vollen sind um diejenigen zu reduzieren, in denen ein Voller blank ist.

Damit ist im konkreten Fall in einem Drittel der Fälle mit 5 Vollen dennoch das Kontra fällig; die Fälle mit 5 - 4 - 2 - Sitz u.ä. bleiben ohne Kontra. Von diesen Fällen werden nur die 5 - 4 - Stellungen mit blanken Herzvollen gewonnen (unter 33%).
Für diesen Unterfall also (-9 *0,33) + (-3 * 0,44) + (+3 * 0,23) = -3 - 1,3 + 0,7 = -3,6

Die Fälle, in denen man drei zusätzliche Augen und einen Vollen durch den ungünstigen Sitz bekommt, bewerte ich mit 0. Uns stehen ja bereits alle Buben, Damen und zwei Könige zu. Da muß man lange stecken, bis man jetzt noch drei Augen extra geschenkt bekommen muß. Ein Drittel ist utopisch.

EvilNephew, 27. Februar 2014, um 15:16
zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2014, um 15:18

Mit 5 Vollen ein Kontra zu geben ist im Allgemeinen ziemlich schwach. Nur wenn es einmal richtig ist, heißt es nicht, dass man es prinzipiell tun sollte. :-)
Die Gesamtzahl der Gegnervollen ist 10, nicht 11. Ich würde dich bitten, das Blatt nochmal genauer anzuschauen.

akaSilberfux, 27. Februar 2014, um 17:22

Wenn also zweimal vor dir am Kontra gegen den Fleischlosen mit langen Pik überlegt wird und hältst selbst Herz-AssHerz-AssHerz-Zehn Kreuz-AssKreuz-Zehnx, gibst du kein Kontra? Das kostet Punkte. Viele Abwehrsoli verfügen nämlich nur über 7 Stiche.

Ohne philisterhaft zu wirken kann ich nicht darauf hinweisen, daß der Solist fünf Volle hält und damit die Gegenpartei selbstverständlich 11 Volle haben muß. Ich stimme also dem von Dir gemeinten zu. Damit bliebe eigentlich nur noch der 4 - 3 - 3 - Sitz für ein Kontra übrig, solange man mit zwei Vollen weder zögert, noch selbst eine Ansage trifft.
Daher ist entweder die Annahme falsch, daß man nur mit 3 - 5 Vollen an einem Kontra interessiert sein sollte (und richtigerweise mit 2 - 5 Vollen wartet) oder der Fleischlose ist noch besser als von Evil angenommen.

EvilNephew, 27. Februar 2014, um 17:32
zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2014, um 17:33

Ein langes Pik ist nochmal etwas anderes.

Hier hat der Fleischlose aber lang Karo und im Normalspiel ebenfalls Aufspiel. Ein Abwehrsolo ist also nur bedingt von Nöten, da das Normalspiel offensichtlicherweise über einige Trümpfe verfügen würde und ein Abwehrsolo kaum von Nöten ist, wenn man selbst 6+ Trumpf besitzt und Asse zum Aufspielen hat. In Spiel 5 der Liste muss man auch noch nicht krampfhaft solieren, man kann also von einer gewissen Stabilität des Solos ausgehen. Wenn ich dann 5 Volle habe, weine ich innerlich und gebe kein Kontra.

Tront, 27. Februar 2014, um 18:48

Vielen Dank für eure ausführlichen Berechnungen.
Ich denke ich kann ihnen gerade noch so folgen.^^

Zumindest Evils letztes Argument (man gibt freiwillig einen erkennbaren "Vieltrümpfer" mit Ausspiel auf) hat mich "inGame" dazu bewogen, dieses Solo recht früh zu spielen. Psychologie ist auch ein kleiner Bestandteil des Doppelkopfes! Das soll aber nicht heißen, dass ich darin wirklich gut bin.

Es wird in Spiel 5 sicherlich nicht jedermanns Sache sein das Solo "wegzuspielen" und wegen möglichem verlorenem Aufspielrecht in späteren (Solo)-Spielen sich auch häufiger als Bumerang erweisen. Bei mir eher sehr selten, fast sogar nie.^^

Daher sehe ich (mathematisch kann ich das gar nicht beweisen) hier ein viel kleineres Kontrarisiko als viele andere Spieler es berechnet haben.

Obwohl eigentlich allgemein bekannt ist, dass ich bei gewonnenen Soli fast niemals eine Gegenansage "herauslocke" (dazu bekomme ich auch viel zu wenige gewonnen Soli, oooohhhh^^), wird in der Praxis häufig (und nicht nur in Braunschweiger Kreisen) das Kontra auf meine zu spielenden Soli überproportional häufig weggelassen.

Begründung 1: Man traut mir durch überduchschnittlichlichen guten Kartensitz (die Pyramide ist ja schon nach mir benannt worden) Gewinnverteilungen zu, die sehr häufig eben gar nicht vorliegen. (eine leichte Selbstblendung!)

Begründung 2: Man traut den eigenem Mitspielern Fehler oder größere Ungenauigkieten im Spiel gegen mich zu, sodass ein eigentlich verlorenes Solo von mir dadurch gewonnen wird. (eine Fehleinschätzung, dennoch manchmal schwer berechtigt!)

Begründung 3. Der Spartakus-Pfad. Wird mir bei einen zunächst unklaren Ausgang eines zunächst leicht eher als verloren anzusehendem Solo Kontra gegeben und tritt Begründung 1 und/oder 2 ein, so ist ein 120-Punkte-Pfad leichter wieder erreichbar. Selbst in wenigen anderen Spiele (ohne Punkt 1 und 2) soll ich schon einmal 120 Punkte erzielt haben.
(ein Sicherheitszug!)

Begründung 4:Ich habe ausahmsweise trotz aller hier aufgeführten Begründungen selbst einmal gezockt und erwidere nun wirklich mit Re. Diese "Schmach" möchte gar kein Mitspieler gern ertragen. Denn bekäme ich nämlich in den nächsten 10 zu spieleneden Soli erst recht keine Gegenansage mehr.
Und 8 - 9 mal wäre es dann wieder verkehrt.
(unglaublich, aber tendenziell schon wieder wahr!)

Und von diesem "Bonus" zehre ich schon zeitlebens.
Das ist nicht einmal sehr übertrieben.

akaSilberfux, 27. Februar 2014, um 21:55

Wenn er denkt, daß ich denke, daß er denkt, daß ich denke...
Am Ende bleibt das doch zufällig, da versuche ich lieber bei den harten Fakten zu bleiben. Über die Frage, ob man auch mit zwei guten Vollen warten sollte, denke ich an anderer Stelle nach.

Bei dem Bubensolo lebt das Bubennachspiel davon, daß die Gegner nun ihre Stiche gewinnen, bevor der Solist wieder eingefädelt wird. Im Gewinnsinne gibt man die Stiche 2 - 5 oder 6 ab und erreicht damit über 120. Das As hat man sich dann blank gestellt, sonst geht es nie.
Meine Position zu Anzögern außerhalb des Ansagezeitraums ist klar: das finde ich kacke. Wir werden sehen, wie sich dieser Aspekt entwickelt.

Noch ein Aspekt zum Bubensolo: der Solist spielt ein Solo, bei dem er häufig einen ungünstigen Bubensitz vorfinden wird. Man darf als Gegenspieler davon ausgehen, daß der Solist sich mit der Möglichkeit des 3 - 1 - 1 oder 3 - 2 - 0 - Sitzes beschäftigt hat, gerade wenn er einen Buben nachspielt. Klassischerweise ist es dann ein Fleischloser mit Bubenunterstützung. Ob dann jedes Bubensolo mit Kontra vom Tisch geht darf bezweifelt werden.

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