Unterhaltung: 2014 Regio West - Die wahre Geschichte

Friedrich, 22. April 2014, um 06:10
zuletzt bearbeitet am 22. April 2014, um 09:30

Guten Morgen meine liebe Doko-Familie,

in den vergangenen Wochen sind an dieser Stelle bereits viele schöne Erinnerungen an die Regio West ausgetauscht worden. All diese Erinnerungen werden, und das haben sie weiß Gott verdient, mit jedem ins Land gehenden Jahr weiter wachsen.
Bei den für die Endrunde qualifizierten Freunden sind es unter Umständen Heldenepen von um Haaresbreite gewonnenen Solos und ähnlichen Erfolgserlebnissen. Bei den unglückliche ausgeschiedenen Familienmitgliedern sind es hingegen eher bittersüße Erinnerungen, wie jene an die erste Liebe, deren Küsse das Leben zunächst musizieren ließen, um einem schließlich die Zerbrechlichkeit des eigenen Herzens vor Augen zu führen. Der Blick zurück schmerzt bis heute, und dennoch möchte man keinen mit ihr verbrachten Augenblick missen.

Nun gab es auch jene Erzählung von den traurigen Angehörigen, welche sich auf dem Weg zum ersten Kuss so ungeschickt anstellten, dass sich das angebetete Mädchen bereits wieder auf dem Heimweg befand, als sie auf jenem Spielplatz am Ende der Weststadt eintrafen, welchen sie als Treffpunkt für ihr Rendezvous vereinbart hatten.

Es ist nun an der Zeit, so denke ich, euch die wahre Geschichte zumindest einiger dieser vermeintlich unglücklich Verliebten zu erzählen. Denn, soviel sei euch vorab schon verraten, sie entspricht in der bisherigen Form nicht der Wahrheit. Entgegen all dem, was ihr vielleicht gelesen oder gehört habt, ist es eine Geschichte mit einem disneymäßigen Happy End - also legt eure Taschentücher zurecht!

Es begann alles an einem Frühlingsmorgen im Jahr 2014. Dagger, GeRo und Friedrich hatten sich verabredet, um gemeinsam die Reise zur Regionalmeisterschaft West im Doppelkopf, einem Spiel welches sie allesamt sehr gern spielten, anzutreten. Die Stimmung auf der Fahrt war ausgelassen, besonders Friedrich, der seiner ersten Regionalmeisterschaft entgegenblickte, war bereits voller Vorfreude.
Doch mitten in Neukirchen-Vluyn, dem Spielort dieser Regio, stockte den Dreien plötzlich der Atem. Sie hatten aufgrund einer Verwechslung die falsche Adresse in ihr Navigationssystem eingegeben. Zwar fanden sie nach einiger Zeit eine Tankstelle, und dort auch schließlich einen freundlichen Herrn, welchem der "Klingerhuf", das Spiellokal, ein Begriff war, doch der an sich üppig bemessene zeitliche Spielraum bis zum Meldeschluss um 10:00 Uhr schmolz bedenklich dahin. Bereits ziemlich nervös wurden die Drei von besagtem Herrn sogar in Kolonne zum Klingerhuf eskortiert, jedoch zeigte die Digitaluhr des Wagens bereits 10:06 Uhr als man auf dessen Parkplatz einbog.
Auf dem Weg zum Eingang, vor welchem die übrigen Doko-Familienmitglieder standen, stellten sich wohl alle Drei die gleiche Frage: "Stehen sie NOCH dort oder schon wieder? Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?"
Mit bereits leicht hängenden Köpfen trotteten sie auf die Menschentraube zu. Friedrich zumindest befürchtete bereits das Schlimmste...

"Hallo Freunde, na jetzt aber fix", begrüßte sie Wessi, ein legendärer Verbandsspieler, welcher an diesem Tag gleichzeitig ein Teil des Schiedsgerichts stellte.
Er war offensichtlich ebenfalls beunruhigt: "Ich bin nicht sicher, wie wir das jetzt regeln, die Nachrücker sind bereits über ihr Startrecht informiert worden, aber wenn ich das richtig weiß, sind noch ein paar Plätze unbesetzt. Müssen wir jetzt mal schauen."
'So'n Scheiß, ich hab's befürchtet', dachte Friedrich bei sich, allerdings wollte er noch nicht alle Hoffnung fahren lassen.
Gemeinsam hasteten die Drei in die Halle an den Meldetisch und machten sich bemerkbar. Verona, die für die Regelkommision des DDV vor Ort war, hörte sich ihr Dilemma in Ruhe an und atmete tief durch.
"Zehn Minuten nach der Zeit, ist des Preußen Pünktlichkeit - was Leute?", konnte sie sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.
Allerdings machte sie Friedrich wieder ein wenig Mut, als sie sagte: "Nun bleibt erstmal ruhig. Euer Vereinskollege Cajou ist uns ebenfalls grad erst aufgefallen und noch drei andere Spielerinnen haben sich ebenfalls um ein paar Minuten verspätet. Die Nachrücker können wir jetzt schlecht wieder nachhause schicken, aber wir haben trotzdem theoretisch noch fünf freie Plätze. Ich muss aber mal mit dem restlichen Schiedsgericht klären, ob wir das irgendwie mit der TSO vereinbaren können..."
Sie sprach ein wenig abseits für knapp 30 Sekunden mit Wessi und Katharina, der dritten Schiedsrichterin, und kam dann wieder zu ihnen, die sie mittlerweile mit allen sieben Zuspätkommern gemeinsam um den Meldetisch standen.
"Also passt mal auf Leute", rief sie plötzlich in den gesamten Saal. "Wir haben jetzt knapp Viertel nach, und vor Zwanzig nach beginnen wir hier eh nicht mit der Auslosung. Wir haben hier noch sieben Leute, die sich ein paar Minuten verspätet haben. Da wir theoretisch noch fünf freie Plätze zur Verfügung haben, würde ich vorschlagen, dass fünf von ihnen auch teilnehmen können, wenn sie es irgendwie schaffen, sich innerhalb der nächsten fünf Minuten zu einigen, welche zwei auf einen Start verzichten - bekommen sie das nicht auf die Kette, sind sie alle raus. Irgendwer was dagegen??"
"Mach fettich da, ich will 'nen Pils", brummte es von irgendwo aus dem Saal...
"Also gut", wandte sich Verona wieder an die Siebenerrunde, "kommt inne Pötte!"

Schnell war ein herumfliegender Spielzettel in sieben Teile zerrissen und auf zwei davon mit einem Kuli ein X geschrieben - fertig war die Lostrommel.
Das harte Los traf eine der drei erwähnten Spielerinnen und Friedrich. GeRo ließ es sich jedoch nicht nehmen, seinen Startplatz zur Verfügung zu stellen - zum einen vielleicht, weil er ein leicht schlechtes Gewissen wegen der Navi-Geschichte hatte, zum anderen aber wohl vor allem, weil er wusste, wie sehr sich Friedrich auf die Regio gefreut hatte.

Es wurde ein wirklich tolles Wochenende für alle Freunde und Bekannte vor Ort. Während der Mittagspause am Samstag fragte Friedrich nochmal bei Verona nach, ob das Vorgehen denn nicht gegen irgendwelche Paragraphen der Turnierspielordnung des DDV verstoßen hätte. "Naja", sagte sie, "einerseits ist es schon so, dass der Verband viel Wert auf Pünktlichkeit legt, aber ich denke, man darf dabei die Menschen, die sich diesem Verband über ihre Vereine ja freiwillig angeschlossen haben, nicht aus den Augen verlieren. Bei euch ging es ja wirklich nur um ein paar Minuten, die keine Verzögerung verursacht haben. Und damit man eine solche Situation auch ganz direkt vor Ort beurteilen kann, gibt es ja das Schiedsgericht. Wir entscheiden zunächst in erster Instanz. Dagegen kann Einspruch eingelegt werden, wozu jeder die Möglichkeit hatte, und dann entscheiden wir halt entgültig. In Bezug auf die TSO ist das also so gesehen alles mit rechten Dingen zugegangen."

"Und außerdem", ergänzte sie, wobei sie Friedrich mit der ihr eigenen freundschaftlichen Art in die Seite knuffte, "sind wir ja hier alle eine große Familie. Und der Verein oder Verband, der euch jetzt einfach wieder nachhause geschickt hätte, muss wohl erst noch erfunden werden." Sie lachte.

Manchmal ist es einfach schön, Teil eines großen Ganzen zu sein.

Und auch wenn sich Protagonist Friedrich wegen zweier blöd gespieler Solos letzten Endes nicht für die Endrunde qualifiziert hat, ist er sich bereits jetzt ganz sicher: 'In einem solchen Verband fühle ich mich zuhause. 2015 greife ich bestimmt wieder an!'

DAS, liebe Freunde, ist also die wahre Geschichte der Regio West. Oder um es mit Uwe Barschel zu sagen: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!

Ex-Füchse #92044, 22. April 2014, um 07:13

Barschel, das sacht mir was, iss der nich auch schon Tod??

cajou, 22. April 2014, um 10:08

Auch der Kaffee und die Mettbrötchen dort waren einfach märchenhaft (und das zu höchst angemessenen Preisen). Sollte der BFTON als Ausrichter künftig etwa für die Regio Nord einen Ausrichtungsort suchen, so werden die paar Kilometer Distanz zu Berlin wohl kein Ausschlussgrund sein, sobald dort eine neue Fensteröffnungs- und Türschließungsverordnung in Kraft getreten ist.

KammMBert, 22. April 2014, um 10:37

Nur Cajou ist berechtigt, Fenster zu öffnen oder Türen zu schließen. Und die Erde ist eine Scheibe.

Seb1904, 22. April 2014, um 10:52

Einspruch!

Deutschland ist eine Scheibe!

Ex-Füchse #92029, 22. April 2014, um 16:36

Super Beitrag von Friedrich, aber Cajou ist vermutlich immer noch stinkig! Oder?

zur Übersichtzum Anfang der Seite