Doppelkopf-Strategien: Aggressives Vorgehen oder vorsichtiges Verhalten mit einer Kontrakarte?

Tront, 30. April 2014, um 01:57

Vom aktuellen Spielabend, heute einmal weniger gut besucht.
Nur 10 Teilnehmer, 2 Fünfertische, ich kam also als Analysefreak voll auf meine Kosten. Als Zuschauer sieht man ja ohnehin meist mehr. Hier geht es jedoch wieder einmal um mein eigenes Blatt.

In Vorhand erhält man (nach bisher sehr undankbarem Verlauf der Runde) dieses Blatt: Herz-ZehnHerz-ZehnHerz-DamePik-BubeKaro-ZehnKreuz-AssKreuz-ZehnKreuz-ZehnKreuz-KönigKreuz-NeunPik-ZehnPik-König

Schnell mal die Erwartungswerte überschlagen und dennoch zu keinem Ergebnis gekommen.^^ Also was "unternehmt" ihr mit der Karte? Mein Zuschauer war nämlich nicht meiner Meinung.

a) ich frage zunächst vor Ausspiel still ab
b) ich spiele mein Kreuz-As zu fünft und nutze die 24,2% echte Laufwahrscheinlichkeit, um dann vor dem 2. Stich abzufragen
c) ich spiele mein Kreuz-As ohne vorherige Abfrage und...
c1) gebe ein eigenes Kontra, nur wenn es gelaufen ist
c2) gebe ein eigenes Kontra, wenn nach Kreuz-As-Abstich ohne eine Aktion einer meiner Mitspieler ein Herz-As nachgespielt wird und...
c2.1) werfe meine Pik 10 in den Herzstich mit Kontra herein
c2.2) steche mit meiner Karo 10 den Herzstich mit Kontra ein
c3) gebe ein eigenes Kontra auch auf ein Pik-As, von dem herzstechenden Spieler und bediene mit Pik 10
c4) gebe ein eigenes Kontra sogar noch auf verteilte Stiche, wenn im 2. Stich ein beliebiger Fehl nachgespielt wird
c5) gebe ein eigenes Kontra sogar noch auf eine Trumpffortsetzung des zuvor herzeinstechenden Spielers, also auf nahezu jeden Spielverlauf ohne vorherige Re-Ansage
c6) gebe ich nach keinen Spielverlauf ein eigenes Kontra und frage auch zu keinen Zeitpunkt des Spieles still ab
c7) frage, wenn Kreuz-As abgestochen wurde, noch im 2. Stich, wenn ich mich an Postion 2 oder 3 befinde auf ein Fehl-As oder auch einen nichtstehenden Fehl, ab, damit ein möglicherweise hinter mir sitzender Partner noch ansagetechnisch vorteilhaft nach diesem eher negativen Spielverlauf (Kreuz sticht ja dann bereits ein sicherer Re-Mann) mit Zusatzwerten antworten kann
d) ich spiele damit gar kein Kreuz-As, sondern besser sofort Pik 10 im ersten Stich an
e) ich sehe eine noch andere Eröffnungsmöglichkeit (es blieben noch theoretisch Kreuz unter As, Pik-König oder ein Trumpfanspiel übrig)

Ich wusste während des Spieles gar nicht, dass ich so viele verschiedene Optionen habe. Vielleicht übertreibe ich es ja auch ein bißchen.^^

Zurück zur Ausgangsfrage: Verhaltet ihr euch eher aggressiv oder eher vorsichtig, sprich fragt ihr mit der Karte ab oder lasst ihr das Spiel von sich hin laufen? Welche Partei profitiert mehr von einer theoretischen Abfrage, in welchem Verhältnis erhöht man ggf. die eigenen Gewinnchancen nach einer Abfrage?

Wie ordnet ihr das Blatt auf der "Trontschen Skala" etwa ein?

Wie immer viel Spaß, falls das bei diesem unübersichtlichen Text mit den komplexeren Lösungsmöglichkeiten überhaupt noch möglich ist. Aber ich habe versucht, mir wirklich Mühe beim Ordnen zu geben.^^

Natürlich erfolgt auch später eine Auflösung des Spiels.

Schwaelmer2609, 30. April 2014, um 13:29

Ich sag mal b) dann seh ich Gewinnchance von 50 %.
Wenn nicht geantwortet wird, lass ich das spiel halt laufen.

THHEO, 30. April 2014, um 13:52

a)
ich frage ab. antwort kann ja nur von pos2 kommen. in dem fall anschub pik10.
bei nachspiel herzass - logo - abwurf pikkönig.
nachspiel kreuzass: ich sehe, ob einer der gegner sticht und kann den stich dementsprechend billig / voll machen.

kommt keine antwort, spiele ich kreuzass ohne kontra. läuft es, frage ich erneut nach pikass. kommt keine antwort, zögere ich den pikschub (könig) noch ein wenig (oder mehr) weiter, damit der p mit irgendeiner stärke das ko findet.

das finde ich übrigens schon maximal vorsichtig (um auf die überschrift zurückzukommen).

herrmannfan, 30. April 2014, um 15:08
zuletzt bearbeitet am 30. April 2014, um 15:09

Ich frage vor Ausspiel ab, kommt keine Antwort spiele ich Kreuz As, kommt eine Antwort an 2 spiele ich Pik 10.
Wird Kreuz As abgestochen gebe ich kein eigenständiges Kontra, bei Durchlauf erfolgt ein Kontra, aber nur weil ich ein eher offensiver Spieler bin

Noddy, 30. April 2014, um 15:54

Jau, so tät ich's auch handhaben wollen.

niveauflexibel, 30. April 2014, um 16:19

Wenn ich mir sicher sein kann, dass an meinem Tisch alle Leute mit ner Kreuzchicane + weiterem Ass das Re finden sollten (was ja eig der Normalfall sein sollte), frage ich nicht ab, sondern spiele das Kr Ass direkt - läuft es, folgt Pik 10 mit eigenem Kontra - läuft es nicht, wird entweder ein Re folgen oder aber ich werde ein Verdachtskontra auf jedes Ass des Ausspielers geben. Im Normalfall sollte an guten Tischen die Abfrage viel mehr der Re-Partei nutzen, da sie nun oft ziemlich leicht Gegenfragen stellen kann. Daher lieber keine Abfrage und eher hoffen dass sich die Re Partei überreizt in ihren Absagen

Tront, 01. Mai 2014, um 18:08
zuletzt bearbeitet am 01. Mai 2014, um 18:13

Dann löse ich einmal (lang) auf:

Ich kann Niveauflexibels Idee der Nichtabfrage sehr gut nachvollziehen, wenn wie er selbst schreibt, viele Spieler häufig erstansagefreudiger wären.

Das ist in den Braunschweiger Vereinen mit ihrem allgemeinen "Defensiv-Ansageverhalten" aber leider meist nicht gegeben. Du wirst dich am kommenden Wochenende "live und in Farbe" selbst davon noch überzeugen können.^^

Daher habe ich (wen wunder's?) auch schon vor Ausspiel selbst abgefragt. Von allen möglichen Spielverläufen traf mich jetzt dieser:

Spieler 2 stach mein Kreuz-As ein,
1. Stich Kreuz-AssKaro-KönigKreuz-NeunKreuz-König und spielte im 2. Stich ohne Gegenfrage oder gar eigener Ansage sein Pik-As vor.

2. Stich: Pik-AssPik-ZehnPik-NeunPik-König ohne eine Aktion von seiten eines der Mitspieler. Tolle strategische Sitzpostion an 4 für mich.^^ Scheint doch nicht immer das wichtigste zu sein. Jetzt lasse ich das Kontra weg, weil ich ja fast hundertprozentig sicher sein kann, dass ich einen Gegner mit 44 Augen in seiner Tüte soeben ausgemacht habe. Allerdings werden andere Faktoren dieses Spiel entscheiden. Und es ist auch kein Re vor mir angesagt worden.

Aber als 5-Trümpfer jetzt deshalb gleich Kontra anzusagen, erschein mir nach diesem Spielverlauf zu verwegen, wäre aber im Nachhinein mal wieder richtig gewesen.

3. Stich: Pik-KönigPik-NeunPik-AssPik-Zehn Die Parteien sind also im Normalfall, der auch vorliegt, jetzt geklärt. Mein Partner sitzt unmittelbar von mir.

Es folgt:

4. Stich: Herz-KönigKaro-ZehnHerz-AssHerz-Neun

5. Stich: Kreuz-ZehnKreuz-BubeKreuz-AssPik-Dame Hier könnte der Re-Mann durch einen Herz-As-Abwurf sicherlich sinnvoller abweichen. Dann erhält die Kontapartei hier allerdings im Zweitlauf jetzt einen Doppelkopf.

6. Stich: Herz-NeunPik-BubeHerz-AssHerz-König

7. Stich: Kreuz-ZehnKaro-BubeKreuz-DameKaro-Neun usw.

Jetzt hat die Re-Partei erst 59 Augen und bekommt am Ende des Spieles exakt 87 Augen zusammen.

Dabei hielt mein Partner an Postion 4 "nur" diese eigentlich sehr schlechte eigene Karte:
Pik-DameKreuz-BubePik-BubeHerz-BubeKaro-AssKaro-ZehnKaro-NeunPik-AssPik-NeunKreuz-KönigHerz-KönigHerz-Neun zu meiner stillen Abfrage als Ergänzung. "Lebenswichtig" für dieses Spiel ist natürlich die Kreuzfreiheit im Zweitlauf.

Dass Pik zweimal läuft, weiss auch kein Mensch. Ich bekomme selbst als Kurztrümpfer jetzt beide Herzläufe mit kleinen Trümpfen geradlinig.

Kurz und gut, das Spiel lief wie auf Schienen, dank angenehmer Weichenstellung.^^

Dennoch bekam ich nur 3 Punkte, womit viele Spieler zwar "Hurra schreien", sich womöglich noch beklatschen würden und sehr zufrieden wären, ich war es irgendwie noch nicht.

Denn Niveuflexibels (vielleicht besseres) Vorgehen verspricht hier wohl mehr Punkte. Zumindest wenn man das Kontra dann findet. Er wird nicht vorher abfragen, auf den Spieler mit den 44 Augen hier ein eigenes (Verdachts)-Kontra geben und locker gewinnen, auch wenn wie gesehen, hier der kreuzstechende Spieler eben nicht sein Partner ist.

Mit der Karte dieses Re-Spielers, er hält 2 Damen (Kreuz und Herz-Dame) zu acht, Pik-As, König und 2 eigenen Herzassen würden viele ansagefreudige Spieler auch noch ein eigenes Re selbst ohne Trumpfvolle zum Stechen geben, dieser Spieler aber nicht. Auf (m)eine vorherige stille Abfrage schon gar nicht. Allerdings wäre es (zufällig) hier auch richtig.

Zumindest spicht einiges für eine Erstansage mit meiner eigenen Kontrakarte, die sich wieder einige Spieler gar nicht erst trauen. Ich halte die Karte zwar zunächst auch nur für leicht überdurchschnittich (54 von 100) auf meiner Skala, allerdings ist dieses Blatt wesentlich mehr Streuungen unterworfen als andere leichter zu bewertenden Karten. Außerdem verfügte ich in diesem Spiel nach meiner stillen Abfrage ja über eine "gesicherte" Negativinformation nach den ersten 2 Stichen, die die Bewertung meiner Karte zum Ansagezeitpunkt auf 46 von 100 fallen ließen.
Deshalb kein Kontra mehr von mir. Wäre mein Spielpartener selbst stärker, könnte er mich aber noch ggf. gezielt abfragen, also meine zunächst vorgenommene stille Abfrage sehe ich auch nicht als "Fehler von mir", eher noch mein letztendlich vorsichtiges Ansageverhalten.

Aber mal wieder gut zu sehen, wie sich das vorzeitige "Bekanntmachen der eigenen Partnerschaft" (nicht) auswirken kann. Ich diesem Spiel fühlte sich bei recht ausgegelichenen Karten dennoch kein Spieler zu einer Erstansage ermuntert. Natürlich werden andere Spielverläufe oder anders verteilte Karten der übrigen Postionen für beide Seiten mehr Ansagemöglichkeiten nach Bedarf eröffnen.

Und diese "offenere Spiel" liegt mir persönlich mehr.

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