Unterhaltung: Wie frau ein unbemanntes Fass entert und anschlägt ODER die irren Fahrten der 'Früh'

Ex-Füchse #17674, 02. Juni 2012, um 16:26

Kapitel1 -Ein Fass wird geentert -

Mit den ersten Sonnenstrahlen des Morgens schlich sich heimlich eine wohltrainierte Gestalt durch die engen Gassen des Hafenviertels. Sie kicherte vor sich hin während sie sich den Weg zu den Docks suchte. Dort angekommen hielt sie kurz inne und hielt suchend Ausschau. Ihre Augen wanderten hin und her bis sie schließlich ein eigentümliches Schiff erblickten. Das Ritterchen, von Eingeweihten lediglich 'die Hühn' genannt, richtete sich vor Freude zu ihrer gesamten – zugegebenermaßen jedoch kurzen - Länge auf. Sie wollte dieses Schiff. Sie wollte es mit jeder Faser ihres Seins. Die Hühn schlich sich einige Schritte näher heran. Wild war sie, die „Früh“, wild wie kein anderes Schiff, das sie kannte.
Gerüchte aus fernen Welten verkündeten, dass es nur ein Schiff gab, welches noch schneller und wendiger wäre – die 'Black Pearl'. 'Welch ein Unsinn!' dachte sich die blonde Gestalt. 'Kein anderes Schiff dieser Ära kann mit der 'Früh' mithalten, kein einziges!'
Hühn schritt nun selbstbewusst auf die hölzerne Schönheit zu. Herrlich war sie anzuschauen. Zwei Segel aus wunderbar fließendem Stoff zierten ihre Haupt-Masten: Eines rot, das andere weiß, gewoben von unbezahlbaren Experten ferner Galaxien. Das Tüpfelchen auf dem 'I' bildete jedoch das Krähennest in Form einer güldenen Krone. Letzteres war so riesig, dass eine Person dort sowohl ihr gesamtes Hab und Gut, als auch ihr Schlafstätte und Kochstelle würde unterbringen können.
Die junge Gestalt dachte nach und grinste anschließend ein wenig boshaft. Sie wusste bereits wen sie in dieser Unterkunft unterbringen wollte. Der Corpus der 'Früh' bestand aus Ebenholz und erinnerte an die Form eines längs gespaltenen Fasses. Das Steuerrad hatte eigenartigerweise Zacken und erinnerte ebenfalls entfernt an eine Krone. Das ehemalige Ritterlein spürte bereits beinahe die Gischt auf ihrer zarten Haut und ebenso einen imaginären Wind, der durch ihre Haare fuhr. Doch damit all dies tatsächlich wahr werden würde musste sie zunächst dieses Schiff bändigen. Der Preis dafür würde hoch sein – aber das war es ihr wert!
Beinahe wie eine Diebin schlich sie sich an das Schiff heran und warf den Enterhaken mit einer geschickten Handbewegung gekonnt über die Reling. Ein kaum wahrnehmbares Zittern durchlief das Schiff, doch dies war ebenso schnell vorbei wie es gekommen war.. Nach einer Weile kletterte Hühn anmutig die Schiffswand empor über die hölzerne Schiffsgeländer, als erneut ein Zittern die 'Früh' durchfuhr'. Da dieses deutlich stärker als zuvor war verlor der Käptn' in spe die Balance und schlug der Länge nach hin. Nach einem kurzen Moment des Benommen-Seins schüttelte sie sich wie ein Katze und stützte sich auf alle Viere. Ihre Augen zu Schlitzen verengt schaute sie nach backbord und steuerbord. Nichts geschah. Mutig richtete sie sich weiter auf, als die 'Früh' sich plötzlich erneut aufbäumte. Völlig unvorbereitet landete das ehemalige Ritterlein erneut auf den Planken – dieses Mal jedoch eindeutig verwirrter als zuvor. „Musst du es mir so schwer machen?“ stellte es die Frage an das Schiff gerichtet. Ein rhythmisches Zittern, welches an ein Lachen erinnerte, durchfuhr das Schiff.
'Soso!' meinte die Hühn und nickte verstehend – 'Du stehst also auf die harte Tour!' Vorausschauend zog sie ihren Rucksack aus und kramte nach etwas Bestimmten. Nach einer Weile entnahm sie dem Gepäckstück eine Dose mit einem weißen Pulver.
'Ahhhh...Asperinos!' grinste das Hühn. zufrieden und streute sich ein wenig davon vorsichtig auf den Handrücken um dieses im Anschluss mit Hilfe eines getrockneten Grashalmes über ein Nasenloch einzusaugen.
Keinen Moment zu früh – wie es schien! Das Schiff bockte erneut. 'Hast keine Chance, Mädchen!' erwiderte die menschliche Gestalt und nahm eine kämpferische Haltung ein, als das Rumpeln begann. Zunächst war es nur ein leichtes Beben, doch dann vibrierte die 'Früh' stärker und immer stärker. Dem Hühn dröhnte trotz getroffener Vorsorge bereits der Schädel. Es wusste nur zu gut, dass es das Steuerrad erreichen musste um den Machtkampf zu gewinnen. Wütend stampfte es mit seinem linken, wohlgeformten Bein auf und vollführte aus dem Stand einen Salto vorwärts Richtung Ziel. Dummerweise blieb sie dabei mit ihrem weiten Seidenhemd an dem Nagel eines der Hauptmasten hängen und das wertvolle Kleidungsstück wurde um eine gute Elle gekürzt. Völlig verblüfft und zwischen Bauchnabel und Hosenbund unbekleidet verharrte Hühn für einen entscheidenden Moment völlig regungslos. Zum zweiten Mal schien das Schiff zu lachen und das Mädchen setzte sich mit einer recht ungelenken Geste auf seinen Hosenboden. 'Wuummmmmss'! Seine Ohren glühten bereits vor Wut und mit einer entschlossenen Miene sprang es auf und ergriff den Stofffetzen um sich diesen um die verschwitzte Stirn zu binden. Ein schwieriges Unterfangen, denn das Schiff vibrierte immer heftiger. Hinzu kam ein anschwellendes Dröhnen aus dem Inneren. Irgendwie schaffte es Hühn den 'Lappen' schließlich am Hinterkopf zu verknoten und lenkte daraufhin die gesamte Konzentration auf das Geräusch. Mit vor Schreck geweiteten Augen wurde es letztendlich der Ursache gewahr. Dort in der Schiffsmitte zwischen den beiden Hauptmasten befand sich ein überdimensionaler Gummistöpsel, welcher mehr und mehr aus dem Schiffsdeck heraustrat. „Nein,“ dachte die inzwischen recht verwegen anmutende Person „nein, das lass mal besser bleiben – du wirst doch wohl nicht...!“ Doch zu spät! Mit einem gigantischem 'Plopp' schoss der Pfropfen gen Himmel und eine nicht enden wollende Fontaine Gerstensaft hinterher. 'Oh fuck!' fluchte Hühn und kratzte sich unschlüssig am Hinterkopf. Ihr Blick wanderte ratlos zum Hafen, wo sich inzwischen eine riesengroße Menge Schaulustiger zusammengefunden hatte, die johlend und mit Gläsern am Pier entlang liefen um die Flüssigkeit aufzufangen. Allen voran das Lenchen mit einem riesigen Badezuber. Auf dem Schiff selbst fiel ebenfalls ein feiner, goldener Regen auf die Planken. Eine Lösung musste her – so schnell wie möglich. 'Wenn man doch nur etwas hätte, womit das Loch verschließen könnte...', überlegte die Gestalt mit dem Stirnband krampfhaft, als plötzlich der rotgoldene Hahn aufs Deck flatterte.
„Typisch Frau! Kannst noch nicht mal ein Bierschiff ordentlich anschlagen! Geh kochen!“ Vor Lachen wälzte sich der Hahn in einer Bierlache. Das Hühn zögerte nur einen winzig kleinen Augenblick, schoss dann mit einem elegantem Radschlag auf den Hahn zu, packte diesen an der Gurgel und rannte mit ihm zur Quelle des Bierübels. „Hmmpf, hmpf, hmmpff!“ ertönte es aus der Gockelkehle aber Hühn ignorierte ihn. Todesmutig warf sie sich mit dem Federvieh in die Fontaine und wurde sofort nach obern geschossen. Der gewaltige Druck sorgte derweil dafür, dass das Mädchen für einen Moment nicht atmen konnte. Als es ihr dann schließlich gelang Luft zu schnappen, konnte sie es nicht vermeiden zusätzlichen einen guten Liter Bier zu schlucken. „Äch!“ stöhnte sie, den Gockel immer noch unter dem Arm geklemmt. „Obwohl...,“ murmelte sie hinterher „ist gar nicht so schlecht, nee, eigentlich sogar rischtig legga!“ Beherzt nahm sie sie noch einen tiefen Schluck, als sie einen Monolog mit dem rotgoldenen Gockel begann. „Also Hähnschen, hömma! Hörste? Guuuut. Pass ma auf: Gehste da unten ins Loch, machste zu, ne? Kannste doch! Bischt dann praktisch unser Zapfhahn...pruuuust!“ Hühn krümmte sich, immer noch auf der Fontaine reitend, vor Lachen und nahm noch einen großen Schluck, während der Gockel sie mit riesigen Augen anstarrte. „Pass ma uff, du aufgeblasenes Federviechdings, wir tauchen jetzma dahin! Geht in Wirklichkeit gar nie nisch, so praktisch an den Federn herbeigezogen un so, is abber 'n Felu-Märchen, dann geht’s halt doch, verstehse? Fein, bin sehr zufrieden mit dir!“ Hühn nickte anerkennend. „Alscho losch!“ Mit diesen Worten tauchte das ehemalige Ritterlein kopfüber wie eine Ente in die Fontaine ein und schwamm mit kräftigen Armbewegungen zur Austrittsstelle. Sie schnappte sich den farbenfrohen Hahn und drückte diesen mit einer gewaltigen Kraftanstrengung in die Öffnung. Ein leises, schmalzendes Plöpp war zu hören und tatsächlich – der Gockel steckte fest. Entsetzt wollte er den Schnabel aufreißen, doch anstatt eines Wortschwalls schoß Bier aus dem Schnabel. „Läscht du das wohl bleiben, dummes Viech! Muss erstma den Druck regulieren...öch...schau nur wie du anschwillst....pruuuust!“ Tatsächlich – der Druck des Gerstensaftes war noch eindeutig zu hoch und die Statur des rotgoldenen Gockels nahm gefährliche Ausmaße an. „Isch such ma Ausgleischventildingsbums!“ verkündete das Hühn und rannte über das feuchte Deck, um nach einigen Metern auszurutschen. „Hopsasa!“ lallte es und stand wieder auf, rutschte unverzüglich jedoch wieder aus und landete auf den vier Buchstaben. „Isch gut jetz, krabbel'sch eben!“ Auf allen Vieren bewegte sich das Mädchen nun Ausschau haltend über Deck. Schließlich fand es eine große Leiter, welche in einen Raum hinabführte. Nachdenklich schaute Hühn herab und legte fragend den Kopf schief. „Is doch 'n Trick, oder? Braucht man doch bestimmt so'ne Lampe mit Öl oder so'nem Zeuchs drin, damit's Lischt gibt. Muschte doch sons immer in Geschichten ersma suchen wie plöd! Aber warte, isch guckma!“ Die Gestalt ließ sich auf den Bauch fallen und robbte auf den Anstieg zu. Interessiert steckt sie ihren Kopf durch die eckige Öffnung und rief erstaunt:“Och, isne Luke drin...haaach! Auf nach unten!“ Ohne sich großartig die Mühe zu machen ließ sich Hühn kopfüber auf der Leiter nach unten gleiten. Mit einem lauten „Boing“ landete sie schließlich mit dem Kopf voran an einer Holzwand. Sie setzte sich auf, rieb sich die Vorderstirn und murmelte:“'Das gibt Kopf!“ Doch ihr blieb keine Zeit sich mit vermeintlichen Wehwehchen aufzuhalten und stand auf. Es fiel ihr eindeutig schwer den Blick zu fixieren und instinktiv tastete sie nach einer weiteren Dosis Asperinos in ihrer Hose. Doch zu ihrem Jammer musste sie feststellen, dass dort, wo vorher das Pulver gewesen war ein großes Loch klaffte. „Da mach' isch den Gockel für aus! Na waddä! Auf Jahre wirschte das Zapfhähnsche bleibe!“
Obwohl sich außerhalb des Schiffes kein Lüftchen regte und das Meerwasser glatt wie ein Spiegel war schwankte Hühn unter Deck hin und her und suchte das Ventil. Das Schicksal war gnädig mit ihr und sie fand es schließlich nur wenige Schritte neben der Leiter. Mit einer beinahe unmenschlichen Konzentration gelang es ihr sogar dieses zu betätigen und für den, vor allem vom rotgoldenen Hahn ersehnten, Druckausgleich zu sorgen.
„Püh! Welch ein Stresch!“ jammerte das Hühn, wischte sich die Schweiß-Bier-Mischung von der Stirn und wollte sich langsam die Holzwand entlang zu Boden gleiten lassen. Doch im beinahe letzten Augenblick fiel ihr ein, dass sie noch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hatte. Sie würde vor ihren Hafenzuschauern zur Siegerin dieses Machtkampfes erklären müssen, bevor sie wohlverdient ihren Rausch ausschlafen konnte. Dann würde sie mit der Auswahl der Mannschaft beginnen. Doch zunächst brauchte sie.....ein Glas! Wie verrückt kramte Hühn in unzähligen Kisten und Regalen, bis es schließlich in einer Ecke einen kleine Holzschatulle entdeckte welche die Aufschrift 'kölsche Stängsche' trug. Freudig öffnete Hühn die Schatulle und entnahm dieser ein langgezogenes Glas. Sie kletterte mit letzter Kraft die Leiter empor, richtete sich zu ihrer vollen Größe (naja) auf und schritt beinahe anmutig auf den inzwischen wieder ausgedünnten Gockel zu. „So Gockel, güb!“ sprach Hühn und gab dem Federvieh einen deftigen Klaps auf den Hinterkopf. Eher ungehalten öffnete sich der Schnabel und weißer Bierschaum tropfte ins Glas. „Nee, will isch nisch! Machma weniger Schaum!“ Hühn holte aus und verschüttete den Inhalt des Stängchen mit einer schwingenden Armbewegung über das Deck. „Nu aber!“ lächelte sie ihn freundlich an. „Nagut!“ antwortete der Gockel leise seitlich durch den Schnabel zischend. „Ich kann ja grad nicht anders! Aber warte ab Mädel, warte ab! Eines Tages befreie ich mich, oder werde befreit und dann...dann...!“
Kichernd gab Hühn dem zetternden Hahn erneut einen Klaps auf den Hinterkopf und nun floss der wunderbare Gerstensaft ins Glas.
Zufrieden trat das Mädchen an die Reling, erhob ihr Glas Richtung Zuschauer und rief: „O-zapft ist!“ Doch sie erhielt keinerlei Reaktion, im Gegenteil, beinahe peinlich berührt wurde sie von hunderten Augenpaaren angestarrt, dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen! „Ooooh, ooooooh!“ stammelte sie und beeilte sich zu rufen :“Et hätt noch immer jot jejange! Prost!“ Nun ertönte stürmischer Beifall und Hühn grinste zufrieden. Sie grinste auch noch, als sich die Welt um sich herum zu drehen begann und sie unsanft zu Boden fiel um dort ihren Rausch auszuschlafen....

Doc_Jule, 02. Juni 2012, um 18:15

hihi :-)
Geschichten, die das Leben schreibt^^

Dag, 02. Juni 2012, um 18:26

da bekommt Zapfhahn so eine ganz andere Bedeutung lach

Ex-Füchse #2525, 02. Juni 2012, um 18:43

kein kommentar ^^

Ex-Füchse #47523, 02. Juni 2012, um 19:11

Das war doch erst der Anfang oder?

Ex-Füchse #17674, 02. Juni 2012, um 19:11

(ja klar :-) )

Ex-Füchse #47523, 02. Juni 2012, um 19:13

Super freu mich schon

Ex-Füchse #6093, 02. Juni 2012, um 19:32

ich glaube da hat der Gockelhahn endlich seine Bestimmung gefunden :-)))

kontra67, 02. Juni 2012, um 20:21

mit solch netten Geschichten sollte doch Geld zu verdienen sein:-)klasse

Ex-Füchse #16890, 02. Juni 2012, um 20:23

Gibt's das auch als Hörbuch?

Ex-Füchse #17674, 02. Juni 2012, um 20:25

Wieso? Kannst du nicht lesen?

Ex-Füchse #6093, 02. Juni 2012, um 20:25

:-))

PapaSpagetti, 02. Juni 2012, um 20:27

was immer dich zu dieser Geschichte gebracht hat, das würde ich auch gern mal rauchen.

Kvothe, 02. Juni 2012, um 20:29

Wo DAS Kraut wächst wird nicht verraten.

Ex-Füchse #16890, 02. Juni 2012, um 20:43

Auf jeden Fall nicht neben dem Spielen :-)

Ex-Füchse #17674, 02. Juni 2012, um 20:44

Da haste aber jetzt lang für gebraucht Herr Dr. in spe ;-)

Luderhonk, 02. Juni 2012, um 20:49

Bohnenkraut tät ich jetzt aber nicht unbedingt rauchen wollen müssen...

Ex-Füchse #17674, 02. Juni 2012, um 21:01

Nimmste halt Liebstöckel, hömma!

PapaSpagetti, 02. Juni 2012, um 21:27

Liebstöckel habbich schon probiert, davon werd ich immer so wuschig...

Doc_Jule, 02. Juni 2012, um 21:46

<<< empfiehlt Thymian, das befreit auch gleich die Atemwege ;-)....*hust^^

Ex-Füchse #47523, 03. Juni 2012, um 08:42

Para: habe Deinen Rat befolgt. Schöne Grüße aus dem Krankenhaus.

Doc_Jule, 03. Juni 2012, um 08:44

ups....*wegen der Dosierung hättest du vielleicht nochmal nachfragen sollen ;-)

Ex-Füchse #47523, 03. Juni 2012, um 08:46

zu spät

Ex-Füchse #2525, 03. Juni 2012, um 08:48

ich habe Felu gerade bei WWF angezeigt!

Doc_Jule, 03. Juni 2012, um 08:53

oh, der Gockel macht den Schnabel auf.....*schnell mal ein Stängschen drunter halten :-))

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