Unterhaltung: Versuch einer Annäherung

Doc_Jule, 28. April 2019, um 13:28

Ganz bewusst eröffne ich diesen Thread im „offenen“ Forum, um mehr Leuten Gelegenheit zu geben, sich zu beteiligen. Leider habe ich Caheis Eingangsbeitrag in seinem Thread um gemeingültige Normen und Wertvorstellungen nicht gelesen, habe mir aber aus den Reaktionen in etwa zusammenreimen können, worum es ihm ging. Also würde ich das Thema gern nochmal aufgreifen und einfach die Frage in den Raum stellen, welche Gründe ihr für die zunehmende Verrohung in Teilen der Gesellschaft erkennen könnt, und, was ich viel wichtiger finde, ob ihr Möglichkeiten seht, dies wieder zu ändern und zu einem Konsens für allgemein zufriedenstellendes gesellschaftliches Miteinander zu gelangen.....erstmal ohne meine persönliche Einschätzung

Kvothe, 28. April 2019, um 13:44

Die Überschrift des Fadens hatte mich auch neugierig gemacht und ich habe Hoffnung, dass dieser zweite Versuch erfolgreicher abläuft.
Die ein oder andere Blendgranate verkraftet so eine Diskussion durchaus, passt ja auch inhaltlich zum Thema.
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Sich nicht mehr als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen, abgehangen, an den Rand gedrängt, ohne Anerkennung oder Wertschätzung. Zu glauben, dass kein Verständnis für die eigene Lebenssituation und den Umgang damit aufgebracht wird, dies führt, unter anderem, auch zur Ablehnung der Normen und Werte dieser Gruppe.
So meine ich mich zu erinnern und konnte dies sowohl logisch nachvollziehen als auch mit meinen Erfahrungen in Einklang bringen.

Kvothe, 28. April 2019, um 13:59

(Schwein natürlich, beim Rind wäre es ja sinnvoll. Halt als Zivilisationskadaver, Haken durch (oder dran) und gut ist, funktioniert bei zunehmender Zahl nicht mehr und Reality-TV, Casting-Show-Marathon und Katzenvideos zur Ruhigstellung sind als Dauermedikation auch kein Allheilmittel.

Doc_Jule, 28. April 2019, um 17:00

Beim „Abhängen“ möchte ich gleich mal einhaken. Es wird ja immer davon gesprochen oder geschrieben, dass Menschen sich abgehängt fühlen. De facto fühlen sie sich nicht nur so, sondern sind es ja wirklich. Dazu habe ich letztens irgendwo eine Stellungnahme gehört oder gelesen, deren Kernaussage war, dass man zukünftig damit wird leben müssen, dass es diese Gruppe in der Gesellschaft gibt, die einfach „nur da ist“ und alimentiert werden muss und wie man die am besten ruhig stellen kann. Da haben sich bei mir wirklich die Nackenhaare aufgestellt. Ist es wirklich unmöglich, in einem reichen Land allen Mitgliedern der Gesellschaft ein würdiges Leben zu ermöglichen? Sollte die Entwicklung weiter in die Richtung gehen, dass Maschinen menschliche Arbeit übernehmen, Arbeitsplätze also immer rarer werden, ist es mMn unumgänglich, sich über eine andersgeartete Verteilung des gesamtgesellschaftlichen Reichtums und damit über die Teilhabe aller Mitglieder einer Gesellschaft Gedanken zu machen. Wenn immer mehr Menschen (oft unverschuldet) an den Rand einer Gesellschaft gedrängt werden, sind Unruhen vorprogrammiert....

Hase_Hase, 28. April 2019, um 17:19

Ich weiß nicht, wie bei euch so die Schulen aussehen. Wenn ich aber in Offenbach so mindestens 9 Jahre in komplett maroden und verdreckten Gebäuden die Schulbank drücken müsste, käme ich mir schon ziemlich verarscht vor von der Gesellschaft.

Janette, 28. April 2019, um 17:36
zuletzt bearbeitet am 28. April 2019, um 17:42

@ Jule, interessantes und wichtiges Thema, das du da aufgreifst. Menschen können sich aus unterschiedlichsten Gründen abgehängt fühlen. In manchen Bereichen ändert sich die Gesetzgebung, so dass für bestimmte Gruppen mehr Teilhabe ermöglicht wird.
Manches hängt auch noch mit Wertvorstellungen zusanmen, die seit Jahrzehnten bestehen. Ist ein sehr weitläufiges Thema, was hier angesprochen wird.

Interessant ist sicherlich auch: Was ist ein Leben in Würde?

Doc_Jule, 28. April 2019, um 17:48

Häsin, ich denke, dass die Schulen vermutlich in den meisten Bundesländern ein ziemlich unbeachtetes Dasein fristen, was nicht nur für die Gebäude gilt. Investitionen in Bildung ist meiner Ansicht nach ein ganz wichtiger Teil des Fundaments für eine funktionierende Gesellschaft

Doc_Jule, 28. April 2019, um 17:51

Kvothe, deinen "Zivilisationskadaver" finde ich großartig (tolles Bild!)

Hase_Hase, 28. April 2019, um 18:07

Ein Veganer wird’s nicht sein!😜

Doc_Jule, 28. April 2019, um 18:08

😄 👍

Kvothe, 28. April 2019, um 18:23

Ja, da konntest du schön einhaken ;-)

Kvothe, 28. April 2019, um 18:33

Macht es grundsätzlich einen Unterschied dieses Thema national (BRD), weltweit oder gar nur lokal (Rodgau) zu betrachten?
Ich denke schon, die ‘Critical Mass' dürfte sich unterscheiden, das Grundprinzip bleibt so alt wie die menschliche Gesellschaft.

Doc_Jule, 28. April 2019, um 18:56

Ah, sieh an, sowas passiert halt, wenn Beiträge einfach gelöscht werden und man sich (bzw. ich mir) die Fragestellung anhand der Antworten zusammenreimen muss. So ganz vom Thema ab sind wir ja trotzdem nicht, denn vom überwiegenden Teil der jeweiligen Gesellschaft respektierte Regeln sind für den Zusammenhalt essentiell...danke für die „Erleuchtung“, sub 😘

Doc_Jule, 28. April 2019, um 19:07

@Kvothe, ich denke, dass man das Thema sicher nicht global „bearbeiten“ kann, denn es gibt sehr viele unterschiedliche Gesellschaftsformen neben der sogenannten westlichen Demokratie, die, jede für sich, ihre eigenen Probleme zu lösen haben (und dies auch ohne Einmischung von außen tun können sollten). Natürlich müssen aber bei Überlegungen, wie man in den westlichen Industrienationen zu mehr Verteilungsgerechtigkeit kommen könnte, auch die Auswirkungen auf andere Gesellschaften und die Umwelt Berücksichtigung finden

Doc_Jule, 28. April 2019, um 19:09

Plakativ gilt ja wirklich „wärst du nicht reich, wär ich nicht arm“, letztlich die Crux des Kapitalismus

Janette, 28. April 2019, um 20:43

Warum ist bei manchen Berufsgruppen das Ansehen gesunken bzw. fehlt der Respekt? Dies war auch ein Threadthema.
Logger ging darauf halbwegs ein, wenn auch eher mit Ironie. Weiterhin auch Schwilltiger.

Doc_Jule, 28. April 2019, um 21:54

Ansehen und/oder Respekt kann man nur durch eigenes Handeln erwerben, sie sind nicht „von Amts wegen“ gegeben.
In diesem Sinne haben viele Politiker, Banker oder Wirtschaftsverantwortliche ihren Kredit, den man ihnen wohl in früheren Zeiten eingeräumt hat, verspielt. Es ist inzwischen ja mehr als offensichtlich, zu wessen Gunsten und zu wessen Lasten die Seilschaften aus Geld, Wirtschaft und Politik agieren

Janette, 29. April 2019, um 06:58

Cahei hat als Beispiele Berufe genannt, die früher in der Gesellschaft sehr angesehen waren. Meines Erachtens wurde von ihm u. a. "Lehrer" erwähnt.

Doc_Jule, 29. April 2019, um 07:48
zuletzt bearbeitet am 29. April 2019, um 07:53

"Ansehen und/oder Respekt kann man nur durch eigenes Handeln erwerben, sie sind nicht „von Amts wegen“ gegeben."
Das gilt im Gunde für fast jeden Beruf, für LehrerInnen sogar in besonderem Maße. Der frühere Kadavergehorsam, der notfalls mit Prügel eingefordert wurde, ist gottlob Geschichte.
Aber ich sehe durchaus auch eine Verrohung in Sprache und Verhalten bei vielen Kindern und Jugendlichen (und leider auch bei einigen Erwachsenen), nicht nur in bildungsfernen Teilen der Gesellschaft, eine "Hooliganisierung". Akzeptiert wird nur die eigene Gruppierung und deren Ansicht, die notfalls mit (nicht nur verbaler) Gewalt vertreten wird. Ich frage mich, ob das wirklich ein neues Phänomen ist, oder ob es Paralleleln dazu in der Geschichte gibt

Doc_Jule, 29. April 2019, um 08:01
zuletzt bearbeitet am 29. April 2019, um 08:08

PS
Dass man sich Repekt erwerben muss, gilt meines Erachtens für jeden Menschen......
man kann ihn übrigens auch mühelos verspielen.... 😉

Kvothe, 29. April 2019, um 08:36

Respekt und/oder Anerkennung wird häufig auch über Statussymbolen zugeordnet, seien es nun Besitztümer, Körperzustände oder Titel.
Man könnte sich selbst einmal befragen, wem oder was man Respekt zollt.
Auf Personen bezogen wäre auch die Frage interessant, wie die Abwägung der unterschiedlichen Facetten hinsichtlich des Respekts ein Gesamturteil bilden.
Ist es für bestimmte Personengruppen schwieriger Respekt zu erlangen, beispielsweise bedingt durch Vorurteile und projizierte Erfahrungswerte?
Wie groß ist der Einfluss von Faktoren, die in diesem Zusammenhang grundsätzlich irrelevant sein müssten? Als Beispiel: Inwiefern beeinflusst das Alter einer Person, ihr Geschlecht, ihr Aussehen, ihre Kleidung meine Urteilsfindung?
Wird erworbene Anerkennung fachlicher Kompetenz durch unflätiges oder arrogantes Auftreten zunichte gemacht?
Ein interessantes Thema, weit gefächert, vielschichtigen kaum in seiner Komplexität zu erfassen.
Die Beschäftigung mit diesem Gedanken findet bei mir immer wieder Anstöße in alltäglichen Situationen.

Janette, 29. April 2019, um 09:10

Was verspielt wird, kann auch wieder erhalten werden.

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