Unterhaltung: 9. November

Seb1904, 09. November 2012, um 14:32
zuletzt bearbeitet am 09. November 2012, um 14:36

Ich meine, heute ist ein Tag zum Feiern.

Für mich der wahre Tag der Deutschen Einheit, denn heute vor 23 Jahren fiel die Mauer, die unser Land viel zu lange geteilt hat.

Eine friedliche, vom Volk ausgehende Revolution, die - und das finde ich nach wie vor fast unglaublich - nicht einen einzigen Menschen das Leben gekostet hat! Das dürfte einmalig sein in der Weltgeschichte.
Ganz im Gegensatz zur Mauer selbst, die in den Jahren ihres Bestehens 245 Menschen zum Verhängnis wurde, sei es durch Befolgung des DDR-Schießbefehls oder andere fluchtverhindernde Maßnahmen. Auch entlang des sonstigen innerdeutschen Grenzverlaufes kam es immer wieder zu Todesfällen.

Dass diese Mauer fiel, dass die Menschen in den heutigen neuen Bundesländern endlich! wieder ihre Landsleute im "Westen" besuchen konnten, dass dieses diktatorisch-kommunistische Regime der DDR zusammenbrach, weil es die Menschen einzusperren versuchte, das ist für mich nun wahrlich ein Grund zu feiern.

Dieser Tag war und ist ein Sieg für die Freiheit und für das Selbstbestimmungsrecht von Völkern!

Wir könnten ihn uneingeschränkt und mit allem Recht statt des 3. Oktober als Tag der deutschen Einheit feiern, ist doch der Mauerfall ein viel griffigeres, eingängigeres wesentlicheres Ereignis als der doch arg juristische "Beitritt der neuen Bundesländer zum Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland".

Könnten wir.

Aber:

Neben diesem uneingeschränkt positiven Ereignis des Mauerfalls fallen auf den 09. November noch weitere Ereignisse in der deutschen Geschichte, die nun nicht wirklich Anlass zu einem fröhlichen Jubeltag, sondern eher zu stillem Gedenken geben.

Am 9. November 1938 beginnt die offene und systemische Judenverfolgung der Nationalsozialisten mit Morden an Hunderten von Juden, Synagogenverbrennungen, Plünderungen, Brandschatzungen. Der 9.11.38 gilt als der Beginn des Holocausts und ist deshalb auch seitens der UNO der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Am 9. November 1923 versucht Adolf Hitler zusammen mit General Ludendorff in München, putschartig die Macht in Deutschland zu übernehmen. Sie scheitern kläglich. 16 Menschen sterben an diesem Tag. Nacht der Machtergreifung 1933 erklärt Hitler den 9. November zu einem Gedenk- und Feiertag.

Der 9. November 1918 ist sehr vielschichtig. Zum einen verkündet Reichskanzler Max von Baden in den letzten Tagen des 1. Weltkrieges die Abdankung von Kaiser Wilhelm II, zum anderen ruft Philipp Scheidemann die "Deutsche Republik" aus, und schließlich verkündet Karl Liebknecht als Kopf des Spartakusbundes die "freie sozialistische Republik Deutschland". Es folgen bürgerkriegsähnliche Zustände in Deutschland, in deren Verlauf unter anderem Liebknecht ermordet wird.

9. November 1848: Mit der standrechtlichen Hinrichtung des Parlamentariers der Frankfurter Nationalversammlung und Burschenschafters Robert Blum beginnt das Ende der bürgerlichen Märzrevolution, die sich gegen die reaktionär-restaurative politische Ordnung in den deutschen Ländern aufgebaut hatte.

Judenverfolgung, Nazi-Putsch, Bürgerkrieg und Abgeordnetenmord.

Aus meiner Sicht genug Gründe, den 9. November deutlich ruhiger zu begehen als dies an einem rein fröhlichen Maueröffnungsgedenktag der Fall sein könnte.

Und doch ist der 9. November ein Schicksalstag in der deutschen Geschichte. Wäre er ein offizieller Feiertag, würden wir sehen, ob die Menschen in unserem Land in der Lage sind, trotz Freude auch zu gedenken, trotz Feier auch innezuhalten, trotz Jubel über die Freiheit auch Trauer über die Toten zu beweisen. Vielleicht ist das aber auch etwas zuviel verlangt.

Für mich jedenfalls ist der 9. November ein Feiertag und ein Gedenktag!

GeneralGrievouse, 09. November 2012, um 14:56

Für mich iss es ein Tag zum Feiern..da heute mein Bruder Geburtstag hat...und so sehe ich persönlich diesen Tag heute.

Seb1904, 09. November 2012, um 14:58

Also doch zuviel verlangt ....... ^^

GeneralGrievouse, 09. November 2012, um 15:04

Nicht ganz...ich sehe auch den 9.November als
wahren "Tag der Deutschen Einheit"
doch es ist doch so das jeder den heutigen Tag nach seiner persönlichen Meinung/Empfindung sieht.

Ex-Füchse #365, 09. November 2012, um 15:19
zuletzt bearbeitet am 09. November 2012, um 15:48

Es ist ein Tag zum Gedenken - ganz einfach der geschichtsträchtigste Tag unserer Nation.
Es gab so viele wichtige Ereignisse, die mit diesem Datum verknüpft sind.
Das uneingeschränkt erfreuliche Ereignis des Mauerfalls steht da neben dem uneingeschränkt schrecklichen der Pogromnacht.
Aber den 9.11.1918 sollte man in der Tat auch nicht vergessen, dessen Auswirkungen dürften die Geschichte unseres Landes ebenso stark beeinflusst haben.
Den Hitler-Ludendorff-Putsch und die Ermordung von Robert Blum sind natürlich ebenfalls wichtig, treten aber vielleicht gegen die anderen Ereignisse fast ein wenig in den Hintergrund.
Für mich persönlich bringt dieser Tag aber vorwiegend Freude mit sich.
Wer, wie ich, den Mauerfall live und ganz hautnah miterlebt hat, wird die Nacht vom 9.11.1989 nie vergessen. Noch heute bekomme ich ne Entenpelle, wenn ich daran denke.

THHEO, 09. November 2012, um 15:26
zuletzt bearbeitet am 09. November 2012, um 15:26

ausschlaggebend, ob es ein echter feiertag sein soll, kann doch nur die meinung von hdf sein, der als wohl einziger unter uns alle von seb geschilderten ereignisse miterlebt hat.

jensbonath, 09. November 2012, um 15:58
zuletzt bearbeitet am 09. November 2012, um 16:00

Also ich hätte da wen (meine Großtante), die könnte zumindest sagen: "Also, am 09.11.1918 hab ich mich eigentlich auf meinen ersten Geburtstag morgen gefreut". Ist schon interessant, einem Zeitzeugen der letzten 80 Jahre deutscher Geschichte genau zuzuhören.

Fanthomas, 09. November 2012, um 15:58

Genau THHEO. Ich erwarte von HDF einen Augenzeugenbericht über den 9.11.1848.

Ex-Füchse #2525, 09. November 2012, um 16:11

Es wäre für mich heute ein absoluter Feiertag, hätte der Bundestag heute nicht so einen Schwachsinn verabschiedet. Das trübt mir echt die Stimmung! :-(

Ossi, 09. November 2012, um 17:25

Das wichtigste Ereignis fand natürlich am 09.11.1972 statt, nur hat die Menschheit das bis heute noch nicht ganz wahrgenommen...

Spartakus, 09. November 2012, um 17:34

THHEO

Ich widerspreche Dir nur ungerne, doch lies was Seb geschrieben hat:

"und schließlich verkündet Karl Liebknecht als Kopf des Spartakusbundes die "freie sozialistische Republik Deutschland"."

Es ist doch völlig klar, dass ich der eigentliche Kopf des Spartakusbundes war. Ich habe aber zur Verkündung Karl geschickt und habe mich derweil lieber mit Rosa vergnügt.

Du siehst ich habe auch alle erwähnten Termine mit 9. November miterlebt. :-) Huch, da war noch einer von 1948. :-(

Fanthomas, 09. November 2012, um 17:42

1948??
1848!!

Spartakus, 09. November 2012, um 18:27

jo, verschrieben

boomer01, 09. November 2012, um 18:35

...und ich dachte du hast am 9. nov 70 v. chr. gegen einen hasen im colosseum gekaempft...

Fanthomas, 09. November 2012, um 18:41

Gabs nicht damals auch schon ein Forum?

Ex-Füchse #365, 09. November 2012, um 20:38

Klar!
Forum Romanum.

Luderhonk, 09. November 2012, um 20:49

Da gab's immer so leckere Waffeln...

Motris, 09. November 2012, um 21:36

9.11.2001 Geburt meines ersten Kindes
9.11.1989 Tag der deutschen Einheit

Und in Gedenken an Verfolgte: 9.11.1938, der übrigens bereits am 7.11.1938 begann.
Da habe ich übrigens auch noch einen Zeitzeugen; meine Oma (jetzt 86 Jahre), der ich immer noch fasziniert zuhöre, wenn sie erzählt.

Ex-Füchse #365, 09. November 2012, um 22:18

Zitat Dirk0801
"...es sind über 1000 grenzsoldaten in 40 jahren ddr ermordet worden von flüchtigen ...."
Zitat Ende
____
Wer hat Dir denn den Quatsch erzählt?
Laut Wikipedia fanden in der Zeit von 1948 bis 1989 insgesamt Grenzsoldaten den Tod.
Natürlich sind das 31 Menschen zu viel, gar keine Frage, aber 31 sind nicht über 1000!
Zu diesen 31 Toten gehören auch einige Leute, die von US-Soldaten erschossen wurden, einer kam durch einen spanischen Staatsbürger ums Leben, ein anderer im Schusswechsel mit West-Berliner Beamten, die einen 14-jährigen Flüchtling schützen wollten.
Die allermeisten jedoch wurden von ihren eigenen Kameraden umgebracht.

Ansonsten will ich mich mit dem Umfug, den Dirk hier ablässt nicht weiter beschäftigen. Aber solchen offenkundigen Blödsinn kann man nicht einfach unwidersprochen lassen.

Ex-Füchse #365, 09. November 2012, um 22:30

Dann nenn doch bitte mal Deine Quelle. Meine hab ich dargelegt (Wikipedia).

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