Unterhaltung: In der vergangenen Gemeinderatssitzung hat der Stuttgarter Polizeipräsident angekündigt, den Migrationshintergrund der Tatverdächtigen nachvollziehen zu wollen

Ex-Füchse #100386, 10. Dezember 2020, um 06:33

Die emotionale Distanz ist die Folge eines Lebens, in dem sich jemand vollkommen unbewusst darüber ist, dass seine Hautfarbe die Norm darstellt und alle anderen davon abweichen. Bestenfalls wurde Weißen beigebracht, nicht zu erwähnen, dass People of Colour "anders" sind, falls es uns beleidigt. Sie glauben wirklich, dass die Erfahrungen, die sie aufgrund ihrer Hautfarbe gemacht haben, universell sein können und sollten.Ich kann mich nicht mehr mit der Verwirrung und Abwehrhaltung auseinandersetzen, wenn sie versuchen, mit der Tatsache klarzukommen, dass nicht alle die Welt so erleben wie sie. (...) Ich kann nicht länger mit Weißen über Hautfarbe sprechen – wegen der konsequenten Verleugnung, der ungeschickten Räder, die sie schlagen, und der geistigen Akrobatik, die sie vollführen, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden. Wer will schon auf eine Systemstruktur hingewiesen werden, die ihm auf Kosten anderer Vorteile bringt? (...)
Ich kann dieses Gespräch nicht mehr führen, weil wir es oft von völlig unterschiedlichen Orten aus angehen. Ich kann mit ihnen nicht über die Einzelheiten eines Problems reden, wenn sie nicht einmal die Existenz des Problems anerkennen. Schlimmer noch ist die weiße Person, die willens ist, die Möglichkeit von besagtem Rassismus einzugestehen, aber glaubt, dass wir dieses Gespräch als Ebenbürtige führen. Das tun wir nicht.

Ex-Füchse #100386, 10. Dezember 2020, um 06:35
zuletzt bearbeitet am 10. Dezember 2020, um 06:51

Mittlerweile habe ich aus Warum ich nicht mehr mit Weißen über Hautfarbe spreche ein Buch gemacht, um das Gespräch – paradoxerweise – fortzusetzen. Dieses Buch ist das Produkt von fünf Jahren Aufregung, Frustration, von erschöpfenden Erklärungen und ellenlangen Facebook-Kommentaren."

Quelle Reni Eddo-Lodge
https://www.google.com/amp/s/www.zeit.de/amp/kultur/2019-01/rassismus-hautfarbe-weisse-white-privilege

Ex-Füchse #100386, 10. Dezember 2020, um 06:44
zuletzt bearbeitet am 10. Dezember 2020, um 06:51

Wer ständig die gleichen Fragen stellt, was darf man denn noch sagen etc. oder immer noch meint, weil er oder sie doch gar kein Problem mit dunklen Hautfarben sehe, ist doch hübsch etc., oder sich für frei von und gefeit vor Rassismus hält weil er oder sie mal einen dunkelhäutigen Partner, oder wie ich ein dunkelhäutiges Kind hat, der meint deswegen den Diskurs nicht mehr zu führen bräuchte, der ignoriert den Rassismus nur. Ich werbe und streite nicht so vehement, weil ich darüber stünde, sondern im Gegenteil, weil ich selbst mitten drin stehe.

Ex-Füchse #100386, 10. Dezember 2020, um 06:46
zuletzt bearbeitet am 10. Dezember 2020, um 06:52

"... Sie glauben wirklich, dass die Erfahrungen, die sie ((wir weißen Menschen)) aufgrund ihrer Hautfarbe gemacht haben, universell sein können und sollten..." das ist ein Kernproblem dabei.
Ich würde mir wünschen, dass der Satz zum nachdenken anregt.

Hase_Hase, 10. Dezember 2020, um 07:37

"Vor Jahren bestellte ich mir ein karibisches Mittagessen und wurde von einem lächelnden Besitzer hinter der Theke begrüßt, der wartete, bis alle weißen Kunden gegangen waren und mir dann anvertraute, dass er die besten Stücke Fleisch für "Leute wie uns" aufhob. Ja, der Mann war voreingenommen. Ja, mein Mittagessen war köstlich. Nein, der Besitzer des Cafés konnte die Lebenschancen seiner weißen Kunden mit den Gefühlen, die er ihnen gegenüber hegte, in keiner Weise beeinflussen.
Einfluss hatte er ausschließlich auf ihr Mittagessen."

Das zur Vorbeugung.
☕🙋

Octopussy, 10. Dezember 2020, um 07:48

Ja, das haben wir ja bereits an anderer Stelle besprochen und das kann ich sehr gut verstehen (hatte zuerst "nachempfinden" geschrieben und dann zum Glück noch bemerkt wie unpassend das ist).

"People of Colour" hört sich für mich komisch an, aber um mich geht es eben nicht. "Farbig" hatten wir ja auch mal vor 20 Jahren ca. Ich dachte das wäre wieder vom Tisch.

P.S. In Namibia ist ein PoC mit dem Namen Adolf Hitler gewählt worden https://www.google.com/amp/s/www.waz.de/panorama/adolf-hilter-wahl-nambibia-diktator-nazi-politiker-afrika-id231062116.html%3fservice=amp

Komplett_Mett, 10. Dezember 2020, um 09:17

Gab mal einen Boxkampf, da wurde Vitali Klitschko zum ersten mal Weltmeister gegen Herbie Hyde.
Der Kommentator musste herzhaft lachen, als die Hosenfarbe zu den Namen eingeblendet wurde und meinte, die braucht man mal gar nicht um die beiden zu unterscheiden.
Klitschko: 2m groß, weiß
Hyde: 1,8m klein, schwarz

Wäre es denn jetzt PC, wenn man die beiden Anhand ihrer Hautfarbe unterscheidet?
Der schwarze und der weiße wäre wohl rassistisch.
Der dunkle und der helle auch?
Der kleine und der große, wäre wohl okay, oder?
Der Riese wäre genau wie der Zwerg wohl beleidigend, oder? Da gibt es aber sicherlich kaum Leute, die mit dem Riesen mitfühlen und sich beschweren würden. Auch gibt es bestimmt viele Riesen, die stolz auf ihre Größe sind...

Wenn mich jemand in einer Kneipe gefragt hätte, wer in dem Kampf wer sei, hätte ich egal wem geantwortet: Klitschko ist der große, weiße oder (völlig random) Hyde ist der kleine schwarze.

Wenn jetzt da 10 Betreuer auf der Bank eines Fußballvereins sitzen, alle mit der selben Jacke, alle im selben Alter und ähnlicher Statur. Was wäre denn jetzt noch PC einen davon zu beschreiben?
Der rothaarige?
Der große?
Der Zwerg?
Der Asiate?
Der blasse?
Der tättoowierte?

Mir geht diese Übersensibilität ziemlich auf den Sack. Ich kenne sehr viele schwarze und noch keiner hat sich beschwert, wenn er schwarz genannt wurde. Einer vielleicht, weil er nur hellbraun ist, den haben die anderen aber auch den weißen schwarzen oder Albino genannt. Gefiel ihm auch nicht.

TurboJo, 10. Dezember 2020, um 09:44
zuletzt bearbeitet am 10. Dezember 2020, um 09:44

Was schreibt dieser Esah_Esah für einen Käse? So kurz vor Weihnachten in der Adventszeit!! Frohe Weihnachten, etwas anderes möchte ich nicht lesen. Ob schwarz, ob braun, ich liebe alle Frauen❗

Hase_Hase, 10. Dezember 2020, um 09:46
Dieser Eintrag wurde entfernt.

Ex-Füchse #100386, 10. Dezember 2020, um 09:52
zuletzt bearbeitet am 10. Dezember 2020, um 10:06

Und jetzt suchst Du Bestätigung, Hirnklaus, dass Deine Wahrnehmung auf Augenhöhe derer diskutiert werden kann, die im Gegensatz zu Dir von Rassismus betroffen sind. Und urteilst es direkt als Überempfindlichkeit ab. Da treten wir also immer noch auf der selben Stelle, ganz am Anfang.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man es satt hat ständig anders behandelt zu werden als andere. Dass die Nerven dauerhaft dünn werden, wenn man sich immer wieder Beleidigungen und Vorurteilen jedweder Art ausgesetzt sieht. Ist man dann überempfindlich? Oder die anderen unsensibel für das was dahinter steht?

Siehe oben "Die emotionale Distanz ist die Folge eines Lebens, in dem sich jemand
vollkommen unbewusst darüber ist, dass seine Hautfarbe die Norm
darstellt und alle anderen davon abweichen. "

Komplett_Mett, 10. Dezember 2020, um 10:49

Richtig, ich hätte es auch satt, anders behandelt zu werden, wegen meiner Hautfarbe. Das ist genau mein Thema. Du behandelst aber ja Menschen anders auf Grund ihrer Hautfarbe, was genau das ist, was ich gerne vermeiden möchte.
Da für mich die Hautfarbe überhaupt keine Rolle spielt, nutze ich diese genau wie die Haarfarbe auch zur optischen Beschreibung eines Menschen.
Da beschweren sich aber auch nur weiße Übermoralisten drüber.

Komplett_Mett, 10. Dezember 2020, um 10:55

Wie sahen die drei aus?
Der eine war klein, dünn, blond, blass
Der zweite war groß, dick, brünette und braungebrannt
Der dritte war mittel groß, athletisch, schwarzer Afro und maximal pigmentiert.

Ex-Füchse #100386, 10. Dezember 2020, um 10:56

Genau da sitzt der Denkfehler. Du behandelst hier nicht gleich, Du beurteilst. Du erlaubst einem Menschen nicht seine eigene Wahrnehmung zu haben, die sich offenbar erheblich von Deiner unterscheidet, sondern setzt Deine Maßstäbe an. Und behauptest dann ihn damit gleich zu behandeln.

Seb1904, 10. Dezember 2020, um 11:59

Mettis Beispiel aufgreifend BESCHREIBT er drei Menschen mit ihren objektiven, für alle - auch für die drei selbst - gleich sichtbaren Merkmalen. Wo wird denn da beurteilt, also subjektiv gewertet?

Lappen, 10. Dezember 2020, um 12:11
Dieser Eintrag wurde entfernt.

Octopussy, 10. Dezember 2020, um 12:28

Wenn jemand fett ist und ich sage "Der Fette", dann ist da ne Beschreibung.

Ob "der Fette" beleidigend ist oder nicht, kann nur der Fetti selbst entscheiden.

Ich persönlich hätte lieber dunkle Haut als (noch mehr) Übergewicht, aber beurteilen kann ich es nicht, weil ich nicht weiß wie es sich als PoC leben lässt.

Impfling, 10. Dezember 2020, um 12:34

Jetzt stell Dir ma vor, Du bist schwarz und dick!
Und Muslima mit unehelichem Nachwuchs von einem vegan lebenden Inuit.

Dann haste gelitten.

Komplett_Mett, 10. Dezember 2020, um 12:43

Hasi, dir fehlt immer noch die Einsicht, dass du Menschen anders auf Grund ihrer Hautfarbe behandelst.
Du bist halt leider noch auf einer eigentlich überwundenen Stufe und thematisierst damit den eigentlich überwundenen Unterschied unbewusst.

Ist genauso, wie ein Rollstuhlfahrer 3 Jahre nach einem Unfall, idR damit klar kommt, wenn man sagt:
"Lass uns darüber gehen"
und nicht: "lass uns darüber gehen, bzw fahren"

Der Weg zur Gleichberechtigung ist halt der zur Normalität.

Im Nachbarthread das selbe Problem. Wieso können Frauen nicht Arzt oder LKW-Fahrer sein? Das hätte sich doch längst etabliert und wäre normal, wenn da nicht so ein Bohei um die Formulierungen gemacht würde...

Ex-Füchse #100386, 10. Dezember 2020, um 14:09
zuletzt bearbeitet am 10. Dezember 2020, um 14:09

Du hast recht, diese Problematik hier ist tatsächlich sehr ähnlich zur Diskussion zum Feminismus.
Wieso passen sich also nicht einfach alle Deiner Wahrnehmung und Deutung der Welt an? Ok.
Ich lass das mal so da stehen.

Komplett_Mett, 10. Dezember 2020, um 14:24

wäre zu einfach

Ex-Füchse #100386, 10. Dezember 2020, um 15:16

Nee, ich ... also. Metti, wie soll ich sagen ... wenn nicht der grundsätzliche Wille oder auch die Fähigkeit? Ich weiß es nicht, zur Vorstellungskraft da ist, dass andere Menschen eine andere Wahrnehmung der Welt haben und die Welt anders auf sie reagiert. Dass das in verschiedenen Grupenn durchaus zu ganz distinkten Unterschieden in deren - dann auch untereinander geteilten - Realität führt. Dass das existiert, auch wenn man selbst dieses Erleben nie unmittelbar erfährt.
Dann ... also, dann geht's nicht.Ganz ehrlich. Das war jetzt nicht beleidigt oder, das ... ich bin ganz ehrlich vor den Kopf gestoßen. Das hätte ich nicht gedacht, dass das jemandem und nicht nur einem, nicht bewusst sein kann.
Wie gesagt, dann geht's nicht.

Octopussy, 10. Dezember 2020, um 15:20
zuletzt bearbeitet am 10. Dezember 2020, um 15:28

Das Dilemma sehe ich darin:

Als Weißer darf ich dunkle Hautfarbe nicht als etwas besonderes sehen. Das ist beleidigend.

Ich darf aber auch nicht so tun, als wäre es was ganz normales, denn das ist es nicht, denn Schwarze werden diskriminiert.

Als ich mal eine Freundin, die im Rollstuhl sitzt durch den Garten getragen habe, haben meine Kinder gefragt, warum ich das mache. Ich habe gesagt: "Weil Carolin behindert ist"

Sie hat nicht böse aber schon so darauf reagiert, dass ich gemerkt habe, dass ich nicht das richtige Wort benutzt habe.

Ich glaube mit "gehandicapped" hätten meine Kinder nix anfangen können. "Nur so aus Spaß" wäre ja auch blöd gewesen.

Ich glaube ich gebe mir in solchen Situationen Mühe alles als "anders aber normal" zu verkaufen. Nur gelingen will es mir nicht. Ich mache kein Geschiss, aber verheimlichen braucht man ja nun auch nix.

Ich habe die Hoffnung, dass meine Kinder in einer inklusiveren, bunteren Welt groß werden, dass sie einen (noch) natürlichern Umgang damit finden. Ich versuche es ihnen vorzuleben.

@Esah: gelingt es dir politisch korrekt mit solcher Vielfalt umzugehen?

P.S. Während meines Zivildienstes wurde ich von den Lehrerinnen gelobt, dass ich so einen normalen Umgang mit den SuS einer Schule für geistige und körperliche Behinderung (so hieß die früher noch. Heute wahrscheinlich "Schule für Menschen mit besonderer Begabung" an den Tag lege. Dass ich sie so behandle, dass ihre Behinderung einfach keine Rolle apielt, dass man merkt, dass ich die Person wahr nehme und nicht die Behinderung. Einfach durch normalen Umgang.

Ein normaler Umgang mit PoC wäre für mich aber sie so zu benennen was sie sind: Braun, dunkel, schwarz oder sonst was. Das kann auf freundschaftlicher Ebene dann auch mal anders klingen als auf beruflicher Ebene. Aber wenn das jemandem nicht gefällt, dann würde ich das selbstverständlich respektieren.

Komplett_Mett, 10. Dezember 2020, um 16:36

Genau so ist es.
Es gefällt aber einigen, nicht Betroffenen hält einfach nicht.

Ex-Füchse #151310, 10. Dezember 2020, um 16:54

Ich bin wirklich froh, dass ich in meinem Leben von Menschen umgeben bin, die nicht immer nach Kategorien und Namen für Menschen suchen, die sie kennen und kennenlernen möchten.

Octopussy, 10. Dezember 2020, um 16:59

Die Menschen in deiner Umgebung haben keine Namen bzw nutzen sie nicht?

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