Doppelkopf-Strategien: Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur du denkst - Das Ass erklimmt die Metaebene

Lappen, 21. Februar 2018, um 08:56

Hallo zusammen,

auf das Thema durch einen Thread der vergangenen Tage aufmerksam geworden, würde mich mal interessieren, wie ihr an Position 2 mit einem Zweitlauf umgeht, da sich daraus für Position 3 eventuell Konsequenzen ergeben.

Konkret geht es mir beispielhaft um eine solche Situation:
- Die Partner sitzen sich jeweils gegenüber
- Ein Gegner spielt im Zweitlauf die schwarze 10 einer Farbe auf, welche dessen Partner an 3 stechen kann
-Euer Partner an Position 4 kann voraussichtlich nicht überstechen
- Ihr selbst haltet noch Ass/Neun in der betreffenden Farbe
- Position 3 hat keine Indizien, ob dieses Ass an Position 2 oder Position 4 sitzt

Nun meine erste eigentliche Frage zu dem Thema:
Sollte Position 2 in solchen Fällen wohl
- a) das Ass setzen?
- b) die Neun setzen?

Beste Grüße
Leif

Erkan_Garnix, 21. Februar 2018, um 09:03

Für gewöhnlich gehe ich an die 10 mit Ass ran.
Es hängt aber wohl auch noch davon ab, um was es in dem Spiel geht (wer welche An-/Absage, etc.) und wie der sonstige bisherige Verlauf war.

SchwillTiger, 21. Februar 2018, um 09:24
zuletzt bearbeitet am 21. Februar 2018, um 09:25

Ich spiele da i.d.R. die 9, wenn s3 nicht ein besonders guter Spieler ist. Falls er es ist, greife ich wohl häufig immer noch zur 9, was aber falsch sein kann.

Da du aber von Metaebene sprichst, geht es dir wohl nur um sehr gute Spieler.

Für ganz wichtig in diesem Zusammenhang halte ich die Frage: sind schon andere Farben gelaufen? Wenn ja, wie? Und gab es Ansagen?

Kvothe, 21. Februar 2018, um 09:25

Käme 3 zu einem günstigen Abwurf?
Ist 3 voraussichtlich Volltrumpf?
Wie sieht mein Restblatt aus, hab ich noch weitere Volle zur späteren Partnerbeschmierung?
Wird das Ass im weiteren Verlauf zum Ausspieljoker?
Meine Tendenz wäre auch das Ass, obwohl es schmerzt es zur Schlachtbank zu führen.

Lappen, 21. Februar 2018, um 09:32

Tja, jede einzelne Variable (Absagen, etc.) wollte ich in der Fragestellung bewusst nicht festlegen, wobei mir bewusst ist, dass das ein gewisses Problem darstellt.

Der Kern der Frage lässt sich ja grob zusammenfassen:
Geht man in der Regel davon aus, dass Spieler 3 eh einstechen muss oder eher nicht?

SchwillTiger, 21. Februar 2018, um 09:42

Der Volle wird nach meiner Einschätzung zu 90%+ mitgenommen, weil hinten ja häufig noch ein Ass dazu gelegt wird, wenn ich eine 9 habe. Aber ihre nach Erstlauf erkennt S3 natürlich, ob S4 Partner ja/nein und kreuzfrei ja/nein. Hat S3 nich Asse zu spielen?

Ich glaube das ist wirklich zu allgemein gefragt...

Lappen, 21. Februar 2018, um 09:53

Wie im Eingangsbeitrag beschrieben:
- Partnerschaften geklärt
- Spieler 4 voraussichtlich nicht frei
- Keine Indizien für S3, wo das Ass sitzt

akaSilberfux, 21. Februar 2018, um 13:51

Mit diesem Informationsvorsprung kann man haushalten. Wenn man Pech hat, spielt Spieler 3 auf dieses Ducken und wirft mit ab.

Kvothe, 21. Februar 2018, um 13:56

Mal ein Gedankenkonstrukt von S2: Wenn ich die Neun lege vermutet S3 das Ass hinten weil ich es normalerweise lege wenn ich es habe, um einen Abwurf zu verhindern.
Dann sticht er ein und ich hab den Vollen gerettet und kann den für späteren Schweinkram brauchen.
Entweder spielt man es stur nach Spielphilosophie oder man lässt sich nicht ausrechnen.
Wie das erstmal ausgelassene Re beim Bubensolo der eigentlich safe ist, nur um später gegenschiessen zu können und vielleicht bei dem nächsten Abwehrbubensolo mit -3 davonzukommen.

SchwillTiger, 21. Februar 2018, um 14:48

Will man im nächsten Stich hinten sitzen? Dann das Ass. Ist man trumpflang und hat die Hoffnung auf austrumpfen und mit dem Ass den 12. Stich zu machen, dann 9.

und wie kvothe schon sagte:

"Wie sieht mein Restblatt aus, hab ich noch weitere Volle zur späteren Partnerbeschmierung?
"

@Lappen: Was mich interssiert:

waren bei den Antworten schon Sachen dabei, die dich irgendwie weiter gebracht haben?

Tront, 21. Februar 2018, um 22:01

In der geschilderten Situation agiere ich wohl insgesamt flexibel. Es käme wohl verstärkt auf meine Restkarte an.

Allerdings, wenn der Spieler an Pos. 4 zuvor Anspiel hatte und mit einem Fehlanschub oder einer Trumpfrunde eröffnet hat, lege ich besser mein As.

In Normalfall erkennt der Partner an Pos. 3 sonst nämlich, dass er ebenfalls einfach auf eine partnerlich dienende vorgespielte 10 mit abwerfen kann.

Lappen, 22. Februar 2018, um 01:24

@ Schwill
Nicht wirklich.
Gefühlt habe ich es extrem selten erlebt, dass Spieler 2 in einer solchen Situation dass Ass gelegt hat - nach dem Motto: "Stechen muss der Gegner ja eh". Abwürfe auf eine Partnerzehn bei noch ausstehendem Ass habe ich gefühlt noch viel seltener erlebt.
Daraus ergibt sich für mich die Überlegung, ob man solche Abwürfe auf eine Partnerzehn nicht viel häufiger vornehmen sollte.

NoddyH, 22. Februar 2018, um 08:47

Bekannte Partnerschaften resultieren oft aus ner Ansage des Partners und dem sollte man nicht in sein Spiel reinpfuschen.

akaSilberfux, 22. Februar 2018, um 15:01

Gerade wenn man einen Verlierer los wird, also die Bridgetechnik "Verlierer auf Verlierer" anwenden kann, gibt es keinen starken Grund zu stechen. Man sitzt i.d.R. an Pos. 4 und nimmt die Chance mit, dass Spieler 2 geduckt hat.

Juan-Miguel, 22. Februar 2018, um 17:29

Typischer Verlauf mit geklärter Partnerschaft wo diese Fragestellung aufkommt:
Kreuz-AssKreuz-Neun Zögern Kontra Pik-ZehnKreuz-König
Kreuz-Zehn

Relevante Kriterien:
Anzahl der eigenen Asse / Muss Spieler 3 ans Spiel?
Anzahl der eigenen Karovollen und welches Schmierverhalten zeigt Spieler 4 / Steht ein Doko zu befürchten?
Anzahl der eigenen Pik und Herz / Ist ein weiterer Abwurf zu befürchten?

Tront, 22. Februar 2018, um 17:43

Legt Pos. 2 in diesem Fall sein Kreuz-Stand-As nicht, könnte der Kontramann einen 2. Pikverlierer (falls vorhanden) gut entsorgen.

Also sollte das Kreuz-As eines Re-Mannes besser nicht geschont werden. Zumal auf 2 Kreuzvolle Pos. 3 ggf. panikartig diesen Stich final oder zumindest (leicht) überhöht einsticht und auch durchaus die Möglichkeit eine Überstichs gegeben ist. Dafür weicht man einem möglichen Doppelkopf im Zweitlauf aus. Denn nach Kreuz-ZehnKreuz-Ass Karovoller, hält gelegentlich der Re-Partner noch die andere Kreuz-Zehn, die er zuvor nicht hergeben wollte. Diesen Doppelkopf kann natürlich auch einmal die Re-Partei erzielen.
Kreuz-ZehnKreuz-AssKaro-ZehnKaro-Ass entsteht öfter als man erwartet.

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